Ralph Segert

26.06.2017

Interview: Über das Wesen der App

Ich freue mich sehr, heute das Interview mit Karolina Schilling, Autorin des Buches “Apps machen - Der Kompaktkurs für Designer“  vorstellen zu können. Wir bekommen einen lebendigen Einblick in ihre Denkweise und ihre Erfahrungen mit App-Konzeption und Kunden.

RS: In Deinem Buch Apps machen bearbeitest Du das Thema Appdesign sehr stark auf konzeptioneller und weniger auf technischer Ebene als andere Bücher. Was hat Dich dazu gebracht und woher kam das ganze Material und die Inspiration?

KS: Genau, mir ist aufgefallen, dass es viele Bücher zur Programmierung von Apps gab, aber keines, das einem erklärt, wie man das Produkt, das Wesen der App, erschafft. Ich konnte oft beobachten wie auf Kundenseite etwas nicht zu Ende gedacht wurde und auf der Entwicklerseite bemängelt wurde, dass es keine Screens zur Bedienung der App gibt, sondern lediglich die technische Konzeption, beispielsweise, wann sich die App welche Daten vom Server holt. Diese Fokussierung auf die technische Umsetzung ohne überhaupt nur einmal darüber nachzudenken, wie sich der Nutzer auf den Screens bewegt, ist für mich etwas sehr Altes, etwas Ingenieurmäßiges. Doch heute geht es nicht mehr nur darum, dass etwas technisch möglich ist, heute geht es um die Benutzung. Bei so viel Konkurrenz am Markt, können sich Software-Produkte - und das sind Apps - nur durch eine super einfache, komfortable Bedienung für die Nutzer unterscheiden. Und die Sensibilisierung auf den Nutzer vermittle ich in meinem Buch.

RS: Ich möchte ein Thema herausheben: “MVP - Minimum Viable Product“. Was ist das, was fasziniert daran und wie kann das ein Freiberufler für sein App-Projekt nutzen?

KS: Kennst Du das Wasserfallmodell der Software-Entwicklung? Ich karikiere es gern so: Jemand hat eine Idee, fragt ein paar Kumpels, wie sie das finden, dann sperrt sich ein Dev-Team mehrere Monate im Keller ein, entwickelt eine Monster-Applikation mit 1000 Features, kommt ans Tageslicht, wirft es in die Welt, 3 Leute interessieren sich dafür, wollen es benutzen und scheitern an der Erledigung der ersten Aufgabe. Die App wird gelöscht, das war’s.

Genau das ist der alte Ansatz. Das hat früher funktioniert, weil nicht jeder eine App auf den Markt werfen konnte. Früher war Software ein Geheimnis, etwas, das nur von Spezialisten umgesetzt werden konnte und das die Anwender lernen mussten. Du kennst sicher diverse Kurse und Zertifikate von Microsoft. Heute ist Software wie Kekse, jeder kann sie machen. Um aber zu prüfen, ob der eigene Ansatz sinnvoll oder für die Tonne ist, gibt es die Möglichkeit, ein schlankes, auf den Kernnutzen fokussiertes Produkt oder eine Produktattrappe zu entwickeln.

In meinem Buch schreibe ich über das Dropbox MVP. Die Gründer hatten nicht eine Zeile Code, sondern ein zusammengeschnipseltes Video davon wie man Dropbox benutzen würde. Es funktionierte nicht mal! Dieses Video haben sie an ihre Freunde geschickt und hatten überwältigende Resonanz für die Produktidee. Dann haben sie beschlossen, es zu entwickeln. Das war eine Produktattrappe. Eine schlanke Version eines Produkts fokussierte sich auf das Kernfeature und konfrontiert dieses so schnell wie möglich mit Endnutzern, Early-Adopters. Doch das heißt nicht, dass das MVP hingerotzt aussehen darf! Es ist schlank, ganz schlank, aber natürlich super bedienbar.

Buchcover: Apps machen

RS: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Hanser-Verlag und wie war die Zusammenarbeit?

KS: Das war wirklich eine verrückte Situation! Ich hielt Ende 2014 das Buch “Thank God it’s Monday” in den Händen und dachte “Rrrrrrr, ich will AUCH ein Buch schreiben, verdammt!”. Offenbar wurde das erhört, denn ca. zwei Wochen später schickte mir eine Lektorin vom Hanser Verlag eine Email mit dem Betreff: “Wollen Sie ein Buch über Apps schreiben?”. Ich dachte, es wäre ein Scherz, aber es war ernst. Wir telefonierten, sie meinte, sie hätte mich im Web gefunden und hatte das Gefühl, sie müsse unbedingt mit mir sprechen. Ab da ging alles ganz leicht. Das war toll.

“Und dann merkten wir, dass erstens kaum jemand ein Smartphone hatte und zweitens die Idee nicht skalierbar war.”

RS: Wie bist Du zum Appdesign gekommen?

KS: 2009 rief mich ein Freund an und fragte, ob ich mit ihm was mit Apps machen würde. Das war zwei Jahre nachdem das erste iPhone rauskam und ich glaube, gerade war der App Store gelauncht. Also alles ganz frisch. Ich hatte weder ein iPhone, noch wusste ich, was Apps sein sollen, aber natürlich sagte ich “Klar!” Wir gründeten zu Dritt unser Start Up mit dem Namen Storytude. Begehbare Geschichten in der Stadt an markanten Orten. Und die Entwicklung unserer Apps - für iOS und Android - war eine Odyssee! Wir haben alle Fehler gemacht, die man nur machen konnte. Wir drehten Schleifen, es war kräftezehrend. Und irgendwann hatten wir es geschafft, unsere beiden Apps in die Stores zu bringen. Wow. Es gab einen ganz schönen Medienrummel, wir waren im ZDF, in diversen Zeitungen etc. und dann merkten wir, dass erstens kaum jemand ein Smartphone hatte und zweitens die Idee nicht skalierbar war. Content zu produzieren war ziemlich teuer. Und dann wurden wir eine App-Agentur. Da habe ich sehr nah mit dem Dev-Team gearbeitet und jede Menge gelernt. Eine App zu erstellen, ist sehr anspruchsvoll und geht am besten, wenn die Konzeption rund ist. Sonst ärgern sich die Devs tierisch und pflaumen einen zurecht an.

RS: Dein Schwerpunkt liegt auf konzeptionelles Appdesign. Was erwartet ein Kunde von Dir?

KS: Ich habe sehr sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Kunden hier in Deutschland erst einmal jemanden suchen, der etwas fertig Programmiertes “schön macht”, ihnen fällt relativ spät auf, dass nur Funktionalität irgendwie nicht rockt. Rrrrr! Wenn ich anfange über die Screens nachzudenken und mir in der Benutzung Fehler auffallen, sind die Kunden entsetzt und gehen unterschiedlich damit um. Manche sind dankbar, weil ihnen klar wird, dass sie keine runde Konzeption haben, dass sie die einfach übersprungen haben, und jetzt merken: “Achso, deshalb dreht die Entwicklung so viele Schleifen und ist so teuer.”

Dann gibt es die Kunden, die denken, Konzeption ist herausgeworfenes Geld. Tja, da kann ich nichts tun. Selbst wenn ich es erkläre, haben sie nicht die Bereitschaft, es sich richtig zu überlegen. Sie denken, Nutzer sind dankbar für diese nächste App im Store. Sie verstehen die heutige Zeit nicht. Das ist für mich so wie, als würde ich behaupten, der Bauplan für ein Haus mit der Aufteilung der Räume, der Anordnung der Fenster ist rausgeworfenes Geld und die Bauarbeiter sollen entscheiden, wo Türen und wie groß Räume sind. Die meisten Kunden haben allerdings eine eigene App-Idee und wollen kein Fertighaus - da wäre es ja klar, man nimmt ein Muster und alles ist entschieden. Doch Apps sind keine Standard-Produkte in diesem Sinne. Ich bin App-Architektin.

“Bis auf die Autohersteller haben es die wenigstens wirklich verstanden, was ein technisches Produkt attraktiv macht.”

RS: Welche Art von Kunden sprechen Dich an und wie sieht Deine Arbeit in den Projekten in der Regel aus?

KS: Es sind häufig Start-Ups und gestandene Firmen. Meist haben sie schon die Entwickler zur Hand und haben bemerkt, dass ihnen jemand fehlt, der die Screens durchdenkt. Oder es gibt gar keine Screens. Oder die Entwickler-Agentur merkt, huch, wir wissen gar nicht wie die App aussehen soll.

Mit Entwicklern arbeite ich sehr gern, denn es ist ein Verhältnis mit gegenseitigem Respekt und wir alle wollen für den Kunden ein tolles Produkt erschaffen. Am schwierigsten sind die Kunden selbst, denen es häufig an Digitalkunde, he he, mangelt. Deutschland ist mitunter so hinterm Mond im Verständnis dessen, was aus den USA zu uns rüberschwappt. Deutschland ist immer noch Industrie und stellt den Nutzer hinten an. Bis auf die Autohersteller haben es die wenigstens wirklich verstanden, was ein technisches Produkt attraktiv macht.

RS: Gibt ein Kunden-Projekt, das besonders spannend und herausfordernd für Dich war?

KS: Super Frage. Ehrlich gesagt, ist der Kunde selbst die größte Herausforderung. Es ist immer möglich, eine Idee sichtbar zu machen, ihr eine Form zu geben, sie in etwas Benutzbares zu transformieren. Die Herausforderung ist der Kunde und sein Verständnis, seine Dynamik in seinem Team. Es kommt ganz oft vor, dass ich Team-Coaching mache und erst einmal die Menschen zu dem Projekt hineinhole, damit es keine Sabotage gibt. DAS ist anstrengend, macht Spaß, hat aber nicht direkt mit der App zu tun. Und im Ganzen hat es natürlich mit der App zu tun, denn ich finde, nur ein gutes, geschmeidiges Team kann ein tolles Produkt herausbringen. App-Konzeption ist also mitunter richtiges Coaching.

RS: Welche Tools bevorzugst Du für das Prototyping und warum?

KS: Ich habe eine Zeit lang sehr gern InVision genutzt, weil es mit Sketch sehr einfach und smooth funktioniert und man sehr schnell Dinge visualisieren kann. Jetzt gehe ich Richtung Framer, da ich merke, dass eine lebendigere und noch realistischere Konzeption noch bessere Entscheidungen erlaubt. Ich versuche so viel wie möglich im Prototyping abzudecken, weil es das ganze Projekt klarer macht. Prototyping ist genial! Es hält das Team zusammen, es gibt eine Motivation, alle können an das Projekt glauben und Designer und Entwickler sprechen im Prototyp dieselbe Sprache.

“Alexa wird kaum eine ganze Suchergebnis-Liste vorlesen und wir wählen dann was aus.”

RS: Was denkst Du über die Zukunft der Appentwicklung und den Alltagsgebrauch von Apps?

KS: Solange es Bildschirme gibt, gibt es Apps. Ich denke, dass sehr viel Software noch vereinfacht wird. Ich denke auch, daß wir in Zeiten leben, in denen die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer, Interaktionen immer schneller und die Integration in den Alltag immer unauffälliger wird. Das wird Apps immer feiner und fokussierter machen.

Ich denke, Vieles wird über Sprachsteuerung abgedeckt - da verlassen wir den Screen - aber ich glaube auch, dass die Wahrnehmung über die Augen immer dableibt. Sehen und Anfassen ist doch etwas anderes als alles über Sprache zu regeln. Alexa wird kaum eine ganze Suchergebnis-Liste vorlesen und wir wählen dann was aus. Wir können uns ja heutzutage kaum noch Dinge merken! Ich könnte mir noch vorstellen, dass unser Alltag von Sensoren durchtränkt sein wird, wir alles über unseren Körper regeln und wenn es dann einen Notfall gibt, müssen wir wieder Entscheidungen auf Screenebene treffen, weil uns der Notfall visualisiert wird. Wie im Film “Passengers”. Das Schiff reagiert die ganze Zeit auf die Präsenz des Menschen, aber wenn das Schiff Probleme hat, muss der Mensch die Stelle sehen können. Da sind Screens oder Netzhautprojektionen schneller, einfacher, direkter als Sprache. 

RS: Zuguterletzt: Was sind zur Zeit Deine drei Top-Links zu Artikeln, Services oder was Dir gefällt?

KS: Auf Twitter ist sehr viel los. In UX und Design tut sich sehr viel, das meiste natürlich auf Englisch. Ich liebe Product Hunt und ja, auf InVision sind super interessante Artikel zu neuen Arbeitsweisen.

Neue Arbeitsweisen finde ich sehr spannend und beobachte gern, wie die alten Strukturen bröckeln. Was vielen Angst macht, verstehe ich. Daher ist mein nächstes Projekt eine Artikelreihe, die das Riesenwort “Digitalisierung” auseinander nimmt und beleuchtet, was das wirklich wirklich für uns bedeutet. Der erste Artikel heißt: “Ist die Angst vor Digitalisierung berechtigt?” und spricht die Generation 50+ an, die sich sehr viel in der alten Welt aufgebaut hat und nun feststellen muss, dass die Digitalisierung ihre funktionierenden Modelle hinterfragt. Das Hinterfragen hat was mit Lebensbilanz zu tun und das ist ein sehr sensibles Thema. Sehr spannend!

RS: Vielen Dank für das ebenso spannende Interview.

Über Karolina Schilling

Karolina Schilling

Karolina Schilling ist Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) und arbeitet freiberuflich als Designer, Coach und Autorin in Berlin. Sie firmiert unter muppetti AppDesign und gibt Workshops zum Thema „Mobile App Design und Konzeption“. Ihre Tools sind Sketch 4, Zeplin, inVision, AppCooker und Framer.

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17.06.2017

Segerts Linkschleuder #2 - mit Themen wie Corporate Design, Online-Marketing und User Experience

Corporate Design und Marketing - Jürgen Siebert fragt auf Page online Was ist eigentlich Corporate Design? und spricht mir mit folgendem Satz aus der Seele:

“Die Verbraucher sind so mündig und mächtig wie nie zuvor, also werden sie mitreden, wenn es um das Image einer Marke geht.”

Ein inspiriender Satz, der die “soziale Phase des Corporate Designs” nahelegt und wie der ganze Artikel als Ausblick in die Zukunft gedacht ist. Ein Satz, der zugleich als Leitsatz für ein neues Online-Marketing gelten sollte, der Respekt vor dem “Verbaucher” fordert. Und was passiert? Page online hält mir beim Lesen mehrmals einen Layer zur Newsletter-Anmeldung vor die Nase, genau eine von den Usern mit am meisten gehasste “Online Advertising Technique”. Keine Spur von Vertrauen in die Mündigkeit des Verbrauchers.

Layer-Penetranz

User-Experience - Ein fast schon tot gebetetes Wort mit aus Verbrauchersicht leider noch wenig ausgeprägter Verbreitung oder? Trotzdem sind wir natürlich für die 8 schnellen Maßnahmen, die Erfolg versprechen dankbar, auch wenn manches, das uns t3n empfiehlt, längst in Fleisch und Blut von Konzeptern und Designern übergegangen sein sollte. Zudem zeigt der Artikel, wie der “Marketer” nebenbei zwei Affiliate-Links im Artikel unterbringt, um auf gelungene About-Seiten hinzuweisen. Klicke ich dann auf diese Links, muss ich die Abouts erst suchen. Gar nicht so einfach mit der User Experience oder? 

User Interface Design - Der Artikel 31 Brilliant User Interface Animations verspricht dagegen nicht zuviel, sondern zeigt eindrucksvoll, daß Animation sehr gut im Sinne von Form follows function eingesetzt werden kann, siehe zum Beispiel 5. One Field Form. 

Git und Sketch - True Collaboration via Git and Sketch Is Finally Here heißt ein How-To-Artikel, der das Ziel hat, uns zu zeigen, wie man Sketch-Files in den Git-Workflow integriert, ohne daß das nicht-technische Personal das Weite sucht. Wobei das Einrichten dieser Technik unbedingt terminalversiertem Personal anvertraut werden sollte.

CMS-Vergleich - Vorteile und Nachteile von TYPO3 gehörte diese Woche zu meinen am intensivsten gelesenen Artikeln im Zusammenhang mit den Texten für mein Projekt Modulée (Affiliate-Link ;-) .

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08.06.2017

Manchmal ist das DRY-Prinzip auch Luxus

Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige (CSS-)Coder das DRY-Prinzip nicht in der gebotenen Strenge befolgen. Ich habe Verständnis dafür, da wir in der Webentwicklung oftmals andere Sorgen und Prioritäten haben. Komplexe Websites entwickeln sich im Eifer des Gefechts, Probleme müssen gelöst, Ideen widerrufen werden. Arbeiten auf verschiedenen Komplexitätsebenen und Zeitdruck tun das übrige dazu.

Coding ist für perfektionistisch veranlagte Designer zudem niemals Routine im Sinne von: Hier ein Baustein und dort ein Snippet und fertig ist das Werk. Das Werk ist eben nie wirklich fertig. Das Layouten mit CSS ist zudem durch die Anforderungen responsiven Webdesigns komplexer geworden. Kommt der Anspruch hinzu, dem KISS-Prinzip zu folgen, wird auch der Code zwangsläufig immer wieder geändert und angepasst. Das ist wie Tanzen auf zwei Hochzeiten namens Coding und Design.

Als Freiberufler habe ich zudem nicht selten mit knappen Budgets zu haushalten. Der bis ins kleinste optimierte Code wird dann schon mal als Luxus empfunden. Zahlreiche Anforderungen und Wünsche des Kunden sind zu erfüllen und manche Extra-Arbeit wird nicht bezahlt, aber klaglos gemacht. Schließlich ist mir das Privileg der freien kreativen Arbeit bewusst und ich geniesse den Augenblick, in dem der Kunde hochzufrieden seinen Dank ausspricht und ich mein “Baby” seiner Bestimmung überlasse.

Ohne Gewissenhaftigkeit und ein Gefühl für den Kunden - das kleine virale Marketing des Freiberuflers - ist das nicht zu erreichen. Ein schlechtes Gewissen wegen ein paar überflüssiger Zeilen Code scheint mir dann machmal zuviel des Guten.

Wie bin ich jetzt auf das Thema gekommen? Urspünglich wollte ich mitteilen, dass ich mir grad die Zeit nehme, den CSS-Code für segert.net Zeile für Zeile auf Überflüssiges zu prüfen, ohne Automaten, der die Arbeit für mich macht. Die Kontrolle will ich nicht abgeben, ich will sehen, was ich zuviel geschrieben oder beim tausendmaligem Anpassen vergessen habe. Den Luxus leiste ich mir. ;) Für den Lernefffekt.

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06.06.2017

Segerts Linkschleuder #1 - mit Themen wie SEO, Prototyping und Content-Strategie

Nutzerorientierung - Mich beschleicht öfter das Gefühl, dass viel über userzentriertes Webdesign geredet wird, aber kaum ein Unternehmen das ernst nimmt und bereits an der Hauptnavigation scheitert. Warum das ein leichtfertig verspieltes Potenzial für die SEO ist, zeigt brandfrisch ein praxisgesättigter Artikel auf Sistrix: Nutzerorientierung: Warum die Websites vieler Unternehmen bei Google nicht erfolgreich sind.

Suchergebnis-Snippet - Auch recht frisch aus der Blogdose des “Google Webmaster-Zentrale Blogs” - sperriger Name, eine Sprache wie ein Suchstring - der Artikel:  Bessere Snippets für eure Nutzer.  Schon bekannt: Die “nosnippet”-Robots-Anweisung?

Prototyping - Auch wenn ihr kein Bock auf das Thema Prototyping with Sketch & Principle habt, schaut euch das Artikeldesign von kissmuyi an. Sogar mobil ein typografischer Genuß! Freunde der Sketch- und Principle-App bekommen ein ausführliches Tutorial gratis dazu.

Responsive Web Design - Der sehr geschätzte Blog Kulturbanause stellt sich der Zukunft des responsiven Webdesigns und lotet das Potenzial von Container Queries & Element Queries aus. Fazit: “Wir sind zwar noch weit entfernt von standardisierten CSS Element Queries – aber das Konzept ist höchst interessant ...”

Content-Strategie - Aus dem letzten Jahr zwar, aber ein immer noch interessantes Webinar von Babak Zand: In 8 Schritten zur Content Strategie gefunden im Blogposting Content-Marketing: Wie entwickelt man eine Content-Strategie?. Anfängliche Skepsis wich wachsendem Interesse.

Technik und Design - Echt abgefahrenes wurde im Mai auf appgefahren.de vorgestellt: Der portable Lautsprecher Bose SoundLink Revolve+. Man könnte denken, da läuft jemand mit einer schwarzen High-Tech-Milchkanne durch die Gegend, der Jemand trägt aber einen “rundum grandiosen Bluetooth-Lautsprecher” mit sich.

Letzter Tipp am Abend - Bevor ihr am MacBook Pro 2016 an seinen lästigen Automatismen verzweifelt, laßt euch zeigen, wie einfach das Automatische Hochfahren verhindert werden kann. Gute Nacht.

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31.05.2017

Appdesign von der Idee bis zum klickbaren Prototypen

“Apps machen - Der Kompaktkurs für Designer“ ist eines der wenigen Fachbücher, die Appdesign weit über die technisch-gestalterischen Aspekte hinaus thematisiert. Karolina Schilling ist es gelungen, uns Appdesign mit einem ganzheitlichen Ansatz schmackhaft zu machen. Nicht umsonst steht auf dem Cover „von der Idee bis zum klickbaren Prototypen.“

Ideen indes gibt es viele und für die Entwicklung einer App gilt es, den Kernnutzen und die Zielgruppe herauszuarbeiten. Die Autorin versteht es, uns mit einigen harten Fragen zu konfrontieren, die zu stellen sind, wenn wir unsere App nicht am Benutzer und am Markt vorbei entwickeln wollen. Sie bringt das mit den “Zehn Schlüsselfragen, bevor Sie auch nur einen Finger rühren” gleich zu Anfang auf den Punkt. So kann es sein, dass bei der ehrlichen Beantwortung dieser Fragen unsere Idee immer kleiner wird und der Kernnutzen keine klare Kontur bekommt.

Auch die Rolle des Appdesigners beim Apps machen wird beleuchtet. Spannend fand ich, dass hierbei psychologische Aspekte beleuchtet werden. Neben der emotionalen Intelligenz für das Ein- und Mitfühlen auch die Fähigkeit der Resilienz, ein Begriff für die psychische Widerstandskraft, für die seelische Kondition, die Rückschläge gut verkraftet und daraus neue Kräfte entwickelt. Resilienz kann uns helfen, aufrecht zu bleiben und die richtigen Fragen zu stellen, wenn nach mühevoller Arbeit ein Entwurf mit ein paar ungehaltenen Worten vernichtet wird. Offensives, sachliches Nachfragen wirkt manchmal Wunder. Und: “Sie sind nicht ironisch, niemals!”.

Welche Aufgaben der Appdesigner hat, ist nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint. Und so spart das Buch nicht an Worten und zeigt, dass die Vielseitigkeit seiner Aufgaben mit der Größe des Teams und den Produktionszusammenhängen steht und fällt. In kleinen Teams kann der Appdesigner zugleich als UX-Designer gefragt sein, der beispielsweise Erfahrungen mit Interaktionsdesign, Informationsarchitektur und Usability Engineering hat. Allgemein gilt, dass ein breites UX-Wissen den Erfolg einer App wahrscheinlicher macht.

Wachse mit den Aufgaben, das ist die Botschaft des Buches.

So ist das Buch in der Folge konsequent und stellt dem Designer die für das Appdesign relevanten Techniken, Fragen und Methoden des UX-Designs vor, die in der Folge vertieft werden.  Wachse mit den Aufgaben, das ist die Botschaft des Buches. Somit werden auch die Einzelkämpfer unter uns ermuntert, ihre Ideen mutig voranzubringen und sich als konzipierende Designer neu zu erfinden.

Spannend fand ich das Kapitel über MVP - Minimum Viable Product: Überzeuge die Leute da draussen mit einem Prototypen, der sich wie ein echtes Produkt anfühlt, aber keines ist. Zeige, welche Bedürfnisse befriedigt, welche Probleme gelöst werden und begeistere. Das konkretisiert die Autorin am Beispiel des “Dropbox-MVPs” vom Drew Houston, der ein Video ins Netz stellte, das zeigte, wie Dropbox funktioniert. Obwohl noch nichts programmiert war, war das so überzeugend, dass Dropbox sehr viel Aufmerksamkeit bekam. Ein bisschen Glück war aber auch dabei.

Nach einem Drittel des Buches werden die Kapitel zunehmend praxisorientierter und technischer. Es werden “App-Typen und mobile Technolgien” vorgestellt, Aspekte der Konzeption bis zum Prototypen abgehandelt und die praktischen Wege zum gelungenen User Interface aufgezeigt. Herausheben möchte ich hier das Unterkapitel “UI Workflow - Tools & Methoden”. Hier wird mein Lieblingsprogramm Sketch vorgestellt sowie die Tools, die dem Appdesigner dabei helfen, zum Beispiel den Softwareentwicklern die notwendigen Assets bereitzustellen.

Fazit: Ein wunderbares Buch, dass die vielen Diskussionen über App- und UX-Design - hauptamtlich in der englischsprachigenen Welt - komprimiert zusammenfasst. Ein Buch, das lange auf dem Schreibtisch liegen darf, da es auch gut als Nachschlagewerk funktioniert. Ein Buch, das mir typisch erscheint für die IT-Bücher aus dem Hanser-Verlag, der die kompetensten und schreibgewandtsten Autoren ans Werk läßt.

Und da wir grad beim Schreibstil sind. Karolia Schilling schreibt lebendig, fliessend, unterhaltsam - und ohne das nervtötende Du als Anrede. Geht doch.

Apps machen. Der Kompaktkurs für Designer. Von der Idee zum klickbaren Prototypen. Karolina Schilling, München 2016, 39,99 Euro

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26.05.2017

MacBook Pro 2016: Des Teufels Tastatur

Apple, was ist aus Dir geworden?! Produzierst 2016 ein MacBook Pro mit einer Tastatur, die einem ergonomischen Offenbarungseid gleichkommt, allein um ein paar Millimeter Gehäusehöhe zu sparen. Hat niemand aus deinem Haus diese Touchbar-Tastatur auf Praxistauglichkeit geprüft? Dann wären vielleicht einige No-Gos für ein hochpreisiges Notebook aufgefallen.

Fangen wir mit dem kleinen Übel an, mit der Haptik. Die erzeugt ein Feeling, als würde ich ein knarrzendes Brett bedienen. Dazu passt der Hub, der das angenehme Tippgefühl des Vorgängergerätes völlig vermissen läßt. Es ist, als würden die Fingerspitzen die Erwartung nicht los, über harte Eier zu laufen. Gewiss, für Kinder wäre das eine tolle Tastatur, soviele unerwartete Geräusche und die riesigen Tasten dazu, die man auch mit der Nase und dem Handballen bedienen könnte.

Ach ja, die Tasten, die ich sehr oft zum Coden von CSS und Templates benutze: Es war eine große Überraschung, daß die Pfeiltasten - die nach unten und die nach oben, nur auf jeden dritten oder vierten Druck reagieren. Gerade diese Tasten! Für Coder neben den Klammern, Semikolon und Command das Herz der Tastatur! Zuerst dachte ich, ein Hardwarefehler. So schickte ich das generalüberholte Gerät zurück an Apple und kaufte woanders ein neues Gerät. Die beiden Pfeiltasten indes blieben unberechenbar.

Akzeptierte ich das schnell als eine Tatsache - hier im Ruhrgebiet sagen sie auch, ein bisschen Verlust is immer -, zeigte prompt die Touchbar, was in ihr steckt. Ein Spielzeug für Menschen, die von Touchdisplays nicht genug bekommen. Toll anzusehen, mit überraschenden Möglichkeiten. Ja sogar Wortverschläge erscheinen. Kontextsensitivität aus dem Vollen. Aber!

Aber hat ein für dieses ergonomische Desaster verantwortlicher Apple-Produktmanager sich einmal ausgiebig angesehen, wie unterschiedlich Menschen im Alltag tippen? Wenn ich zum Beispiel meinen Leib-und Magen-Editor Coda benutze und oben das Anführungszeichen oder die Zahlen 1 bis 5 drücke (häufig!), dann streife ich zugleich unbeabsichtigt die Touchbar mit den Fingern, die nicht tippen, sprich mit Mittel- und Ringfinger. Ich habe das zuerst gar nicht durchschaut. Warum bin ich plötzlich in der Vorschau? So wird jeder Flow im Keim erstickt. Fuck und Fazit:

Das ist echter Apple-Mittelfinger für den User. Mein sehnlichster Wunsch für meine MacBook-Pro-Zukunft: Die Möglichkeit, die Touchbar gezielt für jede App abschalten zu können. Bis dahin helfe ich mir mit einer externen Tastatur. Was für ein angenehmes und sicheres Tippgefühl!

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20.05.2017

Getestet: Sketch App mit Share-Funktion

Seit Juni 2014 gestalte ich mit stetiger Begeisterung UI- und App Designs mit der genialen Sketch App. Mit der Version 4.4 wurde nun das erste Mal ein Jahresbeitrag von 69 Euro fällig. Die bezahlte ich ohne Murren, möchte ich doch weiter die regelmäßigen Updates beziehen. Zudem habe ich mir die Share-Funktion in der Sketch Cloud einmal genauer angesehen und war angenehm überrascht.

Screen in der Sketch Cloud

Nach einer kurzen Registrierung habe ich einen Entwurf mit mehreren Screens (“Artboards”) in die Sketch Cloud geladen und den wahlweise öffentlichen URL aufgerufen. Die Screens präsentieren sich ansprechend für die schnelle Kundenpräsentation und können einzeln angeklickt werden. Dort kann sich der Kunde die Seite genauer anschauen, diese vergrößern und verkleinern sowie Kommentare hinterlassen.

Das alles läuft rund und ist einfach und schnell zu handhaben: Konzentriert auf das Wesentliche und ohne das Damoklesschwert des sich noch nicht lohnenden Abos. - Link: Sketch von Bohemian BV

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