← WISSENS-BLOG

Website-Redesign für einen Industriedienstleister: Vom One-Pager zur fachlichen Informationsstruktur

Vor gut drei Jahren habe ich die Website der Sehrbrock GmbH neu konzipiert und umgesetzt. Damals war sie bewusst als One-Pager angelegt. Im Mittelpunkt stand zunächst eine kompakte Selbstdarstellung des Unternehmens: Wer ist Sehrbrock, in welchen Bereichen arbeitet das Unternehmen und welche Systempartner gehören dazu?

Website-Redesign für einen Industriedienstleister: Vom One-Pager zur fachlichen Informationsstruktur

Bildnachweis: iStockphoto / ppengcreative

Für diesen überschaubaren Inhalt war ein One-Pager eine schlüssige Lösung. Die Besucher konnten sich durch bildschirmfüllende Bereiche bewegen, ohne zwischen einzelnen Seiten wechseln zu müssen. Gesteuert wurde die Darstellung mit fullPage.js. Das Skript ermöglichte vertikale Seitenabschnitte, horizontale Slides und eine eigene Navigation durch die Inhalte.

Inzwischen hat sich die Aufgabe der Website jedoch grundlegend verändert. Neue Partner kamen hinzu, Leistungsbereiche wurden erweitert und vor allem begann der Bereich Sehrbrock Aktuell zu wachsen. Innerhalb von etwa zehn Monaten entstanden mehr als 20 Beiträge. Damit zeigten sich sowohl die inhaltlichen als auch die technischen Grenzen des ursprünglichen Konzepts. Das aktuelle Redesign ist deshalb nicht einfach eine gestalterische Überarbeitung. Es ist der Umbau von einer kompakten Unternehmenspräsentation zu einer Website, die als fachliches Informationsangebot weiterwachsen kann.

Ein One-Pager ist keine schlechte Website – aber eine begrenzte

One-Pager werden gern als besonders einfache und moderne Lösung angeboten. Das können sie auch sein. Wenn ein Angebot dauerhaft sehr überschaubar bleibt, kann eine einzige, gut aufgebaute Seite vollkommen ausreichen. Schwierig wird es, sobald neue Inhalte hinzukommen. Bei der Sehrbrock GmbH sollte die Website nicht mehr nur das Unternehmen vorstellen. Sie sollte zunehmend auch Produkte, Anwendungen, technische Fragen und Erfahrungen aus der Praxis aufgreifen. Solche Inhalte brauchen eigene Adressen, eine sinnvolle Navigation und Beziehungen untereinander.

Mit jedem zusätzlichen Inhalt wurde der One-Pager unhandlicher. Neue Abschnitte mussten in die bestehende Abfolge und in die Logik von fullPage.js eingepasst werden. Auch die horizontale und vertikale Navigation beruhte auf Konfigurationen und Erweiterungen des Skripts. Das machte spätere Änderungen unnötig abhängig von einer Technik, die ursprünglich für einen viel kleineren Umfang gewählt worden war.

Hinzu kam die Lizenzierung. fullPage.js verlangt für nicht quelloffene Projekte einen kommerziellen Lizenzschlüssel; einzelne Erweiterungen benötigen zusätzliche Aktivierungs- und Lizenzschlüssel. Das ist legitim, erwies sich für die dauerhafte Pflege dieser Website aber als unhandlich. Zusammen mit der wachsenden Skript- und Pluginabhängigkeit war das ein weiterer Grund, die technische Grundlage neu zu denken. Heute würde ich einen One-Pager deshalb nur noch empfehlen, wenn die Inhalte wirklich begrenzt bleiben und auch künftig keine nennenswerte Erweiterung vorgesehen ist. Sobald ein Unternehmen regelmäßig veröffentlichen oder verschiedene Fachbereiche ausbauen möchte, sollte die Informationsarchitektur von Anfang an darauf vorbereitet sein.

Der Aktuell-Bereich war der erste Schritt aus dem One-Pager

Schon vor dem jetzigen Redesign hatte ich ergänzend einen einfachen Bereich „Sehrbrock Aktuell“ angelegt. Dahinter stand von Anfang an die Idee, Website und LinkedIn miteinander zu verbinden. Auf LinkedIn lassen sich neue Produkte und Themen kurz vorstellen und in das Netzwerk tragen. Der vollständige Artikel gehört jedoch auf die eigene Website. Dort kann er ausführlicher sein, dauerhaft auffindbar bleiben und unabhängig von der Lebensdauer eines Social-Media-Beitrags weiter genutzt werden.

Diese Kombination funktionierte. Gerade deshalb wuchs der Aktuell-Bereich schnell. Mehr als 20 Artikel innerhalb von rund zehn Monaten sind für ein mittelständisches Unternehmen eine beachtliche redaktionelle Grundlage. Die zunächst einfache chronologische Übersicht reichte dafür jedoch bald nicht mehr aus. Ältere Beiträge rutschten immer weiter nach hinten. Verwandte Artikel standen nicht automatisch beieinander. Es fehlten Kategorien, eine Suche und eine klare Verbindung zu den Leistungsbereichen. Das Problem war also nicht, dass zu viele Inhalte vorhanden waren. Es fehlte eine Struktur, die diesen Inhalt nutzbar machte.

website-2026.jpg

Aus aktuellen Meldungen werden fachliche Zusammenhänge

Ein Artikel über einen pneumatischen Durchflusssensor ist mehr als eine Produktmeldung. Er gehört auch zu den Themen Industriepneumatik, Verbrauchsmessung und Energieeffizienz. Ein Beitrag über eine Schraublösung hat zugleich mit Schraub- und Montageautomation und möglicherweise mit Prozesssicherheit zu tun. Diese Zusammenhänge waren in den Inhalten bereits angelegt, auf der Website aber noch nicht deutlich genug sichtbar. Deshalb erhält „Sehrbrock Aktuell“ mit dem Redesign eine zusätzliche thematische Ordnung. Kategorien führen passende Beiträge zusammen, eine Suchfunktion ermöglicht den direkten Zugriff auf einzelne Begriffe und Problemstellungen.

Gleichzeitig werden die Artikel mit den Arbeitsbereichen des Unternehmens vernetzt. Wer über einen aktuellen Beitrag einsteigt, soll von dort zu verwandten Artikeln und passenden Leistungen gelangen. Umgekehrt können die zentralen Themenseiten auf Beiträge verweisen, die einzelne Fragen ausführlicher behandeln. So entsteht aus einer chronologischen Artikelliste Schritt für Schritt ein fachlicher Informationsbereich:

  • Leistungsseiten bilden das dauerhafte Gerüst.
  • Fachartikel vertiefen einzelne Fragen, Produkte und Anwendungen.
  • Kategorien bündeln Beiträge zu wiederkehrenden Themen.
  • Systempartnerseiten ordnen Hersteller und Lösungen fachlich ein.
  • Interne Links machen die Beziehungen zwischen diesen Inhalten sichtbar.

Die neue Startseite als Wegweiser

Mit dem Abschied vom One-Pager bekam auch die Startseite eine neue Aufgabe. Sie muss nicht mehr selbst die gesamte Unternehmensdarstellung aufnehmen. Stattdessen wird sie zum Wegweiser in die Website.

Die Sehrbrock GmbH arbeitet unter dem Dach der Automatisierungstechnik in mehreren Feldern. Dazu gehören Industriepneumatik und Vakuumtechnik, Schraub- und Montageautomation sowie Lösungen gegen elektrostatische Aufladung. Diese Bereiche hängen zusammen, sprechen aber unterschiedliche Aufgabenstellungen an. Die neue Startseite übersetzt diese Struktur in klar unterscheidbare Einstiege. Jeder Bereich erhält ein eigenes Motiv, eine eindeutige Bezeichnung und einen direkten Zugang zu den weiterführenden Seiten. Gestaltung übernimmt hier eine ordnende Funktion: Besucher sollen auf den ersten Blick verstehen, womit sich die Sehrbrock GmbH beschäftigt und wo sie mit ihrer Frage richtig sind.

Die Kachelstruktur wurde für unterschiedliche Bildschirmgrößen ausgearbeitet. Bildhöhen, Seitenverhältnisse, Abstände und die Reihenfolge der Elemente mussten auf dem Desktop ebenso funktionieren wie auf Tablets und Smartphones. Anders als beim bisherigen bildschirmfüllenden Seitenwechsel folgt die neue Website wieder einem normalen, erwartbaren Scrollverhalten.

Weniger Skript, mehr Inhalt – und trotzdem schneller

Der Verzicht auf fullPage.js und die damit verbundenen Erweiterungen vereinfacht nicht nur die Pflege. Er reduziert auch die Skriptlast. Die neue Website kommt trotz ihres größeren Inhaltsumfangs mit einer schlankeren technischen Grundlage aus und reagiert spürbar schneller. Das ist ein Punkt, der bei Redesigns häufig unterschätzt wird. Eine auffällige Interaktion kann für eine überschaubare Präsentation gut funktionieren. Sie sollte aber nicht zum Hindernis werden, wenn sich die Aufgabe einer Website verändert. Technik ist kein Selbstzweck. Sie muss zum Inhalt, zur Nutzung und zur absehbaren Entwicklung passen.

KI-Sichtbarkeit braucht mehr als strukturierte Daten

Zur technischen Überarbeitung gehören semantisches HTML und strukturierte Daten. Damit lässt sich kennzeichnen, ob eine Seite beispielsweise ein Unternehmen, einen Fachartikel oder ein Produkt beschreibt. Überschriften, Navigation und Inhaltsbereiche werden so ausgezeichnet, dass ihre Funktion nicht nur visuell erkennbar ist.

Strukturierte Daten können jedoch nur beschreiben, was auf der Website vorhanden ist. Sie machen aus einer kurzen Produktmeldung keinen fundierten Fachartikel und aus vielen unverbundenen Seiten noch keine Wissensstruktur. Für die Sichtbarkeit in KI-Systemen müssen deshalb mehrere Ebenen zusammenspielen:

  • Eine Seite beantwortet eine konkrete Frage und enthält nachvollziehbare Informationen.
  • Ihre Zugehörigkeit zu einem fachlichen Bereich ist erkennbar.
  • Verwandte Inhalte sind sinnvoll miteinander verknüpft.
  • Semantisches HTML und strukturierte Daten erleichtern die maschinelle Einordnung.
  • Neue Beiträge vertiefen die Themen über einen längeren Zeitraum.

Eine Garantie, dass das Unternehmen Sehrbrock in einer bestimmten KI-Antwort genannt wird, gibt es nicht. Die neue Struktur verbessert aber die Voraussetzungen dafür, dass Suchmaschinen und KI-Systeme die Arbeitsbereiche des Unternehmens erkennen und die Inhalte richtig zuordnen können.

Die redaktionelle Arbeit wird Teil der Website-Konzeption

Leistungsseiten verändern sich meist langsam. Sie bilden das stabile fachliche Gerüst. Im Aktuell-Bereich können dagegen fortlaufend neue Produkte, Anwendungen und Erfahrungen aufgegriffen werden. Wenn beide Ebenen miteinander verbunden sind, stärkt jeder neue Artikel zugleich den dazugehörigen Unternehmensbereich.

Das wirkt sich auch auf die Themenplanung aus. Künftig kann gezielter gefragt werden: Welche Kundenfrage wurde noch nicht beantwortet? Welcher Arbeitsbereich sollte weiter vertieft werden? Wo gibt es bereits mehrere Einzelbeiträge, die durch einen Grundlagenartikel verbunden werden könnten?

Ein weiterer Schritt sind strukturierte Experteninterviews. Viel wertvolles Wissen steckt nicht in bestehenden Texten, sondern in Beratungsgesprächen, Projekterfahrungen und in den Köpfen der Mitarbeiter. Interessant sind konkrete Fragen aus der Praxis: Welche Probleme treten häufig auf? Welche Angaben werden für die Auswahl einer Lösung benötigt? Wo liegen typische Fehler? Aus solchen Gesprächen können Fachartikel, Checklisten, Praxisbeispiele oder Ergänzungen bestehender Leistungsseiten entstehen. Auch die Unternehmensgeschichte und die Menschen hinter Sehrbrock sollen sichtbarer werden.

Mein Fazit aus der Werkstatt

Der ursprüngliche One-Pager war für die damalige Aufgabe richtig. Er wurde nicht ersetzt, weil One-Pager grundsätzlich schlecht wären, sondern weil sich die Website und ihre Aufgabe weiterentwickelt haben. Mit mehr als 20 neuen Beiträgen, zusätzlichen Partnern und dem Ziel, Themen systematisch auszubauen, brauchte die Sehrbrock GmbH eine andere Grundlage. Aus einer linearen Unternehmenspräsentation wird deshalb eine gegliederte Website mit eigenständigen Leistungsbereichen, einem kategorisierten Aktuell-Bereich, Suche und interner Vernetzung.

Die eigentliche Konzeptionsleistung liegt nicht darin, immer mehr Seiten anzulegen. Entscheidend ist, neue und bestehende Inhalte so zu ordnen, dass sie sich gegenseitig stärken. Genau darin liegt auch die Verbindung zur KI-Sichtbarkeit: Eine klar aufgebaute Website hilft Menschen bei der Orientierung und gibt zugleich Maschinen bessere Anhaltspunkte dafür, womit sich ein Unternehmen tatsächlich beschäftigt. Das Redesign ist damit kein Schlusspunkt. Es schafft ein System, in dem die Website weiterwachsen kann, ohne mit jedem neuen Artikel wieder unübersichtlicher zu werden.

\\\ Update: 02.10.2026   Angelegt: 02.10.2026   Rubrik: KI-Sichtbarkeit   Views: 16   

Wissens-Startseite /// Rubrik KI-Sichtbarkeit

↑