Wie entwickelt man seit über fünfzehn Jahren Add-ons für ExpressionEngine, ohne die Begeisterung dafür zu verlieren? Im Gespräch erzählt Rein de Vries von seinen ersten Modulen, der Entwicklung von Reinos Store zu einer ernstzunehmenden E-Commerce-Lösung und davon, warum direkte Zusammenarbeit mit Kunden für ihn so wichtig ist. Außerdem geht es um KI im Entwickleralltag, die Zukunft von ExpressionEngine und die Frage, warum technische Freiheit für viele Entwickler bis heute ein entscheidender Vorteil des CMS ist.
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Ralph: Ich freue mich sehr, heute dieses Gespräch mit dir zu führen – über ExpressionEngine, deine Add-ons und deine Arbeit als Entwickler. Wir haben ja vor Kurzem bei einem Projekt eng zusammengearbeitet, deshalb ist es besonders spannend, auch mal etwas persönlicher auf deinen Weg und deine Sichtweise zu schauen.
Rein: Die Freude ist ganz meinerseits. Wir haben bei einem aktuellen Projekt tatsächlich eng zusammengearbeitet, bei dem wir das Reinos Store Modul zusammen mit einigen individuellen Erweiterungen für das Reinos Store Shipping Modul umgesetzt haben.
Ralph: Wie bist du ursprünglich zu ExpressionEngine gekommen, und was macht das CMS für dich bis heute interessant?
Rein: Das geht ziemlich weit zurück – kurz nach dem Release von ExpressionEngine 2. In der Firma, in der ich damals gearbeitet habe, waren wir auf der Suche nach einem neuen CMS. Nach einigen Recherchen stellte sich ExpressionEngine in praktisch allen Bereichen als die beste Lösung heraus.
Es hat von Anfang an einfach Spaß gemacht, damit zu arbeiten. Nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns Entwickler. Besonders begeistert hat uns damals das Template-System, weil es eine Freiheit ermöglicht hat, die wir vorher so nicht kannten.
Ralph: Wie bist du dann zur Entwicklung von Add-ons gekommen, und was war dein erstes eigenes Add-on?
Rein: Am Anfang brachte ExpressionEngine eigentlich schon fast alles mit, was wir brauchten. Aber wie bei jeder wachsenden Plattform fehlten irgendwann kleinere Funktionen. Zum Glück gab es damals Devot:ee – ein großartiges Verzeichnis für Drittanbieter-Module.
Parallel dazu arbeitete ich noch nebenbei für eine andere Organisation und betreute eigene Kunden. Dadurch liefen immer mehr Projekte ebenfalls über ExpressionEngine. Sehr schnell brauchte ich dann für eine bestimmte Website eine Backup-Lösung, wollte aber vermeiden, zusätzliche Cronjobs auf dem Server einzurichten – wenn ich mich richtig erinnere, war das im damaligen Hosting sogar gar nicht möglich.
Also habe ich voller Begeisterung mein erstes eigenes Add-on entwickelt: ein Modul, das automatisch Datenbank- und Dateibackups erstellt hat, sobald sich jemand ins CMS eingeloggt hat.
Weil ich die Idee faszinierend fand, eigene Module verkaufen zu können, habe ich es direkt als kommerzielles Produkt entwickelt. Devot:ee machte das damals extrem einfach – Dokumentation, Produktseiten, alles war dort sauber organisiert.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als der erste Verkauf einging. Ich war völlig begeistert. Das Modul selbst gibt es heute schon lange nicht mehr. Inzwischen gibt es deutlich modernere und bessere Möglichkeiten für Backups. Aber damals existierte so eine Lösung eben noch nicht.
Ralph: Du hast inzwischen eine ganze Reihe von Add-ons für ExpressionEngine entwickelt. Welches würdest du als das leistungsfähigste bezeichnen und welches als das erfolgreichste?
Rein: Ich denke, meine Maps Suite war sowohl das erfolgreichste als auch eines der leistungsfähigsten Add-ons, die ich entwickelt habe. Ich habe relativ kurz nach Login Backup damit angefangen, also sprechen wir von ungefähr fünfzehn Jahren.
Leider ist die Nachfrage nach solchen Kartenlösungen im Laufe der Jahre etwas zurückgegangen. Das finde ich schade, weil es nach wie vor ein unglaublich vielseitiges und spannendes Produkt ist. Trotzdem kann ich mich nicht beklagen – auch wenn die Nachfrage geringer geworden ist, gibt es immer noch einen stabilen Bedarf dafür.
Daneben ist auch mein Store-Modul ein extrem leistungsfähiges Produkt. Ich positioniere es bewusst als leichtgewichtige und zugängliche E-Commerce-Basis, die sich über Erweiterungen flexibel ausbauen lässt. Dadurch eignet es sich für sehr viele unterschiedliche Online-Shops.
Ralph: Anders gefragt: Welche deiner Add-ons sind deine persönlichen Favoriten, und was kann man damit konkret bauen?
Rein: Meine persönlichen Favoriten sind definitiv die Maps Suite und das Store-Modul.
Die Maps Suite vor allem wegen der enormen Bandbreite an Möglichkeiten. Mit relativ einfachen ExpressionEngine-Tags kann man damit unglaublich viel umsetzen. Wenn man sich die Beispiele auf der Demo-Website von Reinos anschaut, sieht man schnell, wie viele unterschiedliche Anwendungen damit möglich sind.
Außerdem gibt es eine vollständige Integration ins Control Panel über einen eigenen Fieldtype. Dadurch können Nutzer Marker, Linien und andere Kartenelemente direkt visuell im CMS platzieren.
"Kunden sind für mich unglaublich wertvoll, weil sie oft Entwicklungen anstoßen"
Das Store-Modul gehört ebenfalls zu meinen Favoriten, weil die Arbeit daran sehr erfüllend ist. Damit können Website-Betreiber tatsächlich Umsatz generieren – das macht die Auswirkungen der eigenen Arbeit sehr greifbar. Ich kann inzwischen auch mit gutem Gewissen sagen, dass sich das Store-Modul zu einer ausgereiften E-Commerce-Lösung entwickelt hat, die sowohl kleinere Shops als auch größere und anspruchsvollere Projekte bedient.
Ralph: Bei unserem letzten Projekt mit Store und Store Shipping habe ich deinen Support als sehr direkt und lösungsorientiert erlebt – besonders die Art, wie konkrete Anforderungen schnell gemeinsam zu neuen Features wurden. Wie siehst du diese Arbeitsweise selbst? Und was steht aktuell auf der Roadmap deiner Shop-Add-ons? Außerdem: Wie wird die Lösung insgesamt angenommen, und für welche Projekte eignet sich Store deiner Meinung nach besonders im Vergleich zu größeren E-Commerce-Systemen?
Rein: Ja, wir haben bei einigen Themen sehr direkt zusammengearbeitet – und genau so arbeite ich am liebsten.
Kunden sind für mich unglaublich wertvoll, weil sie oft Entwicklungen anstoßen, auf die ich alleine gar nicht unbedingt gekommen wäre. Sie nutzen das Produkt im echten Alltag und entdecken dadurch Probleme, Engstellen oder Möglichkeiten, die ich selbst vielleicht nicht sofort sehe. Deshalb entwickle ich Vorschläge, die allgemein sinnvoll erscheinen, häufig direkt weiter.
Im Vergleich zu größeren E-Commerce-Lösungen wie CartThrob war Reinos Store ursprünglich eher auf kleinere Shopbetreiber ausgerichtet. Das zeigt sich auch im Preis und in der niedrigeren Einstiegshürde.
Durch die vielen Weiterentwicklungen konkurriert das Store-Modul inzwischen aber deutlich stärker mit den großen E-Commerce-Add-ons. Über das ständig wachsende Erweiterungs-System deckt es mittlerweile viele Anforderungen größerer Shops ab.
Zum Beispiel:
Aktuell stehen drei größere Punkte auf der Roadmap: Kreditkartenzahlungen direkt auf der Website, Unterstützung für Abonnements, und die Möglichkeit, Bestellpositionen direkt innerhalb einer Bestellung zu bearbeiten.
Ralph: Was würdest du dir für die Zukunft von ExpressionEngine wünschen? Gibt es Entwicklungen der letzten Jahre, die du kritisch siehst – etwa das Lizenzmodell – oder ist das für dich kein großes Thema? Und wo siehst du generell Verbesserungspotenzial?
Rein: Die Entwicklung von ExpressionEngine in den letzten Jahren war eigentlich sehr positiv. Die Plattform ist enorm gereift und deutlich ausgereifter als früher.
ExpressionEngine: "Die Plattform ist enorm gereift"
Das Lizenzmodell halte ich persönlich für notwendig, damit die Weiterentwicklung gesund und nachhaltig finanziert werden kann. Das Gleiche gilt für kommerzielle Module. Ich glaube sogar, dass genau diese Struktur Qualität, Kontinuität und vernünftigen Support sichert – sowohl für ExpressionEngine selbst als auch für Drittentwickler.
Ralph: Wie sieht dein Entwickleralltag aktuell aus? Und wie nimmst du die Situation für Entwickler in den Niederlanden wahr – sowohl was die Community als auch die wirtschaftlichen Bedingungen betrifft? Gibt es mehr Preisdruck oder stärkere Konkurrenz, oder ist die Lage insgesamt stabil?
Rein: Die Arbeit an den Modulen ist nicht jeden Tag eine Vollzeitbeschäftigung, aber es gibt durchaus Phasen, in denen die Entwicklung eines bestimmten Features den kompletten Arbeitstag einnimmt.
Ich nutze ExpressionEngine außerdem auch für eigene Projekte. Wenn ich dabei Funktionen entdecke, die auch für andere Nutzer interessant wären, integriere ich diese Verbesserungen oft direkt in die Module. Das kostet natürlich Zeit, weil ein Modul sauber geplant, durchdacht, getestet und dokumentiert werden muss.
Zusätzlich nimmt auch der Kundensupport einen beträchtlichen Teil meiner Zeit ein.
Was mir immer häufiger auffällt: KI-generierte Antworten liegen oft sehr selbstbewusst daneben. Menschen melden sich regelmäßig mit Lösungsvorschlägen oder Code, die schlicht nicht existieren, aber von KI-Systemen überzeugend dargestellt wurden. Diese Fehlinformationen wieder geradezurücken kostet leider ebenfalls einiges an Zeit.
In den vergangenen Jahren habe ich außerdem beobachtet, dass die Popularität von ExpressionEngine etwas zurückgegangen ist. Das finde ich schade, denn technisch ist es nach wie vor eine sehr starke Plattform. Viele entscheiden sich heute eher für Baukasten-ähnliche Systeme im Stil von WordPress.
Mit dem Aufkommen von KI, die die Produktivität massiv steigert, bin ich selbst gespannt, wie sich ExpressionEngine langfristig entwickeln wird. ExpressionEngine ist ein technisch orientiertes CMS und setzt ein gewisses Verständnis voraus. Ich sehe hier großes Potenzial in stärker vorbereiteten Templates, Channels und Feldstrukturen, damit Nutzer deutlich schneller starten können.
Außerdem war ExpressionEngine immer ein bisschen ein Geheimtipp. Ich denke schon, dass sich die Sichtbarkeit der Plattform künftig verbessern sollte.
Ralph: Was sind die fünf wichtigsten Werkzeuge in deinem Arbeitsalltag – und warum gerade diese? Hat sich dein Werkzeugkasten über die Jahre stark verändert, etwa durch neue Technologien oder veränderte Anforderungen?
Rein: Meine fünf täglichen Essentials wären:
Und ja: KI-Tools wie Copilot gehören inzwischen definitiv ebenfalls dazu.
Ralph: Danke für die spannenden Antworten und dass Du Dir die Zeit genommen hast.
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