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Abenteuer Ruhrlink

Rolf Blenn ist Betreiber des Webkatologs Ruhrlink. Er erläutert Konzept und Features seiner Suchmaschine und erzählt über Erfahrungen mit Internet und Ruhrgebiet.


who: Du machst ein Webkatalog namens Ruhrlink. Welche Ziele verfolgst Du damit und wie ist das Projekt entstanden?

RB: Entstanden ist es aus einem eigenen Bedürfnis. Ich hab mir vor ein paar Jahren mal eine Seite mit Links zu allen Kinos der Region auf unseren Firmenserver gelegt, weils immer reichlich umständlich war, sich die aus den Suchmaschinen zusammenzusuchen. Mit der Zeit kamen da immer mehr Zugriffe von außen, das hat Spaß gemacht, und so wurde über die Jahre das Angebot erweitert, zum Schluß im letzten Herbst mit der Suchmaschine.

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Das Ziel, das ich mit Ruhrlink verfolge, ist, Ruhrlink zu machen. Es gibt kaum was, das mir so viel Spaß macht wie diese Site.

Das Ziel von Ruhrlink ist es, zu wachsen. Nicht aus kommerziellen Gründen, obwohl es im Moment einige Schritte in diese Richtung tut. Wir haben durch die immerhin mehr als 15 000 Besucher schon eine kleine Einflussmöglichkeit, Besucherströme zu lenken. Während ganz große Anbieter das wahrscheinlich nicht einmal bemerken, stellt für kleinere oder im Aufbau begriffene ein Link auf der Hauptseite schon einen erheblichen Besucherzuwachs dar. Ich weiß auch, das durch die Suchmaschine schon einige Geschäftskontakte zustande kamen. Im Schnitt bringt ein Eintrag in unserer Suchmaschine momentan etwa 10 % der Zugriffe wie z.B. von Yahoo oder Fireball, wobei es auf die Branche ankommt. Das haben wir mit einigen Einträgen ausprobiert.

Ich bin viel in der Welt herumgereist. Für einen wesentlichen Faktor für Wohlstand und Einfluß einer Region halte ich nach diesen Erfahrungen die Kommunikation; einfach zu wissen, wo es was gibt. Und für etliche Entscheidungen spielt die räumliche Nähe eben eine wichtige Rolle. Die Site ist noch einiges davon entfernt, jede Fragestellung im Ruhrgebiet beantworten zu können, aber es gibt doch schon einige Themenfelder, zu denen man bei uns ganz hervorragend Anbieter finden kann.

So gesehen, ist es das Ziel von Ruhrlink, Kontakte zu schaffen.


who: Sehr komfortabel ist die Eingabe von neuen Links in den Webkatalog. Wie bringst Du diese Features auf den Punkt und was hast an Know How und Entwicklungszeit investiert.

RB: Auf den Punkt gebracht: unauffällig, aber wirkungsvoll. Alles in allem hat allein die Suchmaschine einige Monate Entwicklungszeit beansprucht, wobei das meist "nebenher" lief, ich habe ja noch ein kleines Netzwerk-Unternehmen. Wieviel Zeit in den letzten vier Jahren ingesamt in Ruhrlink investiert wurde, kann ich nicht mal mehr sagen, es ist aber verdammt viel. Und es ist ja mittlerweile ein kleines Team, so daß sich die Zeit insgesamt schon reichlich summmiert.

Leitgedanke der Planungen war, das Informationen Qualität brauchen. Die Strategie vieler Anbieter ist es, möglichst alle Sites in ihren Maschinen zu listen, deshalb werden dort Adressen einfach selbst eingetippt. Das Ergebnis ist oft minderwertig. Unmöglich kann jemand alle Fachbegriffe, z.b. aus dem medizinischen Bereich, kennen, mit denen Insider vielleicht eine Website suchen würden. Ebenso halte ich es für einen Fehler, das Internet nur isoliert zu betrachten. Die häufigsten Anfragen laufen nach wie vor über das Telefon, warum fehlt die Telefonnummer in den großen Web-Katalogen? Auf der anderen Seite ist das Suchen z.B. in den Gelben Seiten auch online oft wenig effektiv, weil denen nicht nur die oben genannten Suchwörter fehlen, sondern auch das Unterhaltende und Nicht-Kommerzielle zu kurz kommt.

Gute Informationen können nur von den Betreibern der Websites selbst kommen. Die Anmeldung ist deshalb etwas aufwendiger. Was zunächst wie ein Nachteil aussieht, stellt aber auch ein evolutionäres Element dar. Wem es zu umständlich ist, für unsere Besucher die Informationen einzustellen, der wird auch allgemein wahrscheinlich einen eher trägen Service bieten. Bei uns stehen die Sites drin, die sich auch Mühe mit ihrem Angebot geben.

Meta-Tags gehören zu den Minimalkriterien, die eine Website enthalten sollte. Wenn aber sich schon jemand Suchworte dafür ausgedacht hat, dann ist nichts evolutionäres daran, ihn diese noch einmal eintippen zu lassen. Die Suchmaschine fragt beim Neueintrag ohnehin den Zielserver ab, und liest in diesem Schritt die Meta-Tags möglichst gleich schon in die dafür vorgesehenen Formularfelder ein.

Im günstigsten Fall sind nur noch wenige Felder manuell auszufüllen, den Rest macht die Maschine selbst. Andererseits hilft sie mit einem Hinweis, falls jemand von Meta Tags noch nie etwas gehört hat. Man kann noch immer von Hand eintragen, und hat eine wichtige Information mehr, um vielleicht auch in anderen Maschinen besser gefunden zu werden.

Ja, und wer das alles ignoriert und vielleicht gar nicht bemerkt, und dann vielleicht die Anmeldung abbricht, der tut dann genau das Richtige. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Wert, den jemand seiner Sache zumißt, und dem Aufwand, den er sich bei der Anmeldung macht. Wenn jemand schon selbst seine Site nicht für so wichtig hält, um sie bestmöglich zu promoten, warum sollten dann wir oder unsere Besucher das sehen wollen? Letzendlich blähen solche Anbieter die Datenbank auf, ohne effektiv jemandem zu nutzen oder für irgendjemanden interessant zu sein.

Am Anfang gab es eine Kontroverse, ob überhaupt genug Websites die Anmeldung durchführen würden. Aber es sind jetzt über 1000 Einträge in vier Monaten, und ich habe das Gefühl, mit dieser Strategie richtig zu liegen.


who: Was kostet der Aufbau und die Pflege eines solchen Projekts?

RB: Die Betriebskosten halten sich im Rahmen. Die Site läuft ja auf meinem eigenen 19 Zoll Server, auf dem ansonsten eigene Kunden und Kunden von Agenturen gehostet sind. Der Traffic wird mittlerweile durch die Werbeeinnahmen gedeckt, und es ist wirklich so, das wir als eine der wenigen Websites sogar schwarze Zahlen schreiben. Statt in Aktien habe ich aus Spaß ein bißchen Geld in Ruhrlink investiert, und erziele tatsächlich eine prozentual höhere Rendite, als mit jedem mir bekannten Fond.

Man muß aber ganz klar sehen, das es sich hier um einen minimalistischen Ansatz handelt. Es ist keine kommerzielle Zielsetzung, mit dem die Site gegründet wurde. Es steckt viel Arbeit drin, die, wenn jemand sie hätte bezahlen müssen, ausgesprochen teuer geworden wäre.


who: Mit wem kooperierst Du, um Dein Webprojekt voranzutreiben und gegensetige Hilfestellung zu verwirklichen?

RB: Auf kommerzieller Ebene haben wir einen Vertrag mit einem Distributor, der unsere Immobilienbörse bestückt, und wir haben jetzt eine Agentur, die sich um das Bannergeschäft kümmert. Die Macher von "The Doom" in der Westfalenhalle lassen mit uns eine kleine Verlosung laufen, nächsten Monat gibt es das mit einem Softwarehaus.

Kooperationen auf der Ebene des Linktausches sind so eine Sache. Wir haben sehr, sehr viel redaktionell hervorgehobene Links auf unseren Seiten. Das ist aber keine Kooperation, weil bei einer redaktionellen Unabhängigkeit auch nicht relevant sein sollte, ob jemand zurücklinkt. Ebenso ist es umgekehrt, man kann sich mit einem Link auf uns nichts "erkaufen". Es gibt eine zunehmende Zahl von Sites, die auf uns linken, aber deshalb, weil sie das Angebot gut finden.

Ich würde gerne mehr Kooperationen wie z.B. mit Markus Gansel durchführen, der mit seinen Artikeln auch gleichzeitig seine Website promotet. Eine Zeitlang habe ich konkret Sites angeschrieben. Das Ergebnis waren häufig Antworten von Betreibern, deren Selbstbewußtsein schon bei ein paar tausend Besuchern kollabiert hatte. Umgekehrt sollte die Sache inhaltlich zu uns passen, nur wenige Sites haben unsere Zielgruppe und auch die passenden Besucherzahlen. Wer massiv viel mehr hat, für den können wir nicht viel bringen und sind wenig interessant. Und uns selbst geht es da auch nicht anders.

Ein paar Kooperationen sind sehr effektiv, andere laufen gar nicht. Ehe wir nicht mindestens nochmal 5 bis 10 000 Visits mehr erreichen, möchte ich selbst nicht weiter in diese Richtung vorgehen. Andererseits bin ich natürlich sehr für gemeinsames Handeln und es stehen noch einige Gespräche auf dem Terminplan, aus denen sich vielleicht so etwas ergibt.


who: Das Ruhrgebiet im Web: Was vermisst Du, was findest Du gut, was entwickelt sich?

RB: Als ich damals den ersten Firmenserver ans Netz gehängt habe, war die DENIC-Liste dieser Stadt noch ausgesprochen überschaubar. Seitdem sind unzählige dazu gekommen.

Trotzdem sind wir im Ruhrgebiet bei der Entwicklung um einiges zurück. Der größte Teil der Websites hat nach wie vor das Niveau "Wir über uns, Service, Kontakt", obwohl einige Firmen und Institutionen durchaus spannende Dinge zu bieten haben. Aber es ist schon klar, das für redaktionelle Ideengeber kein Geld ausgegeben wird, wo man schon an der Optik spart. Selbst gutsitierte, mittelständische Unternehmen präsentieren sich mit Designs, die oft eher peinlich sind. Und da es sich bei dieser Geringschätzung um ein kollektives Phänomen handelt, fällt das bei der Kommunikation mit Partnern innerhalb der Region noch nicht so auf, während auswärtige Interessenten unbemerkt den dilletantischen Auftritt wegklicken und den Lieferanten lächelnd ad acta legen.

Was mir aber sehr gefällt, ist die aufkeimende Medienvielfalt im Netz. Im Gegensatz zur Monokultur in Printbereich sind eine Vielzahl von Anbietern zu finden. Zum Beispiel gibt es ja nur noch wenige unabhängige Stadt- und Stadtteilzeitungen, im Netz jedoch haben wir mindestens fünfzig bis sechzig Publikationen, die sich mit lokalen Themen beschäftigen, zum Teil von erheblichem Niveau. www.mein-bochum.de ist zum Beispiel ein vollwertiges, journalistisches Medium, das sich völlig unabhängig entwickelt hat, und mir inhaltlich wesentlich besser gefällt, als so manches Printprodukt der Stadt.

Wir haben auch etliche Anbieter mit bundesweiten Inhalten, und es wäre doch einmal etwas schönes, wenn sich daraus langfristig große Medienunternehmen entwickeln, die zur Abwechslung mal ihren Sitz im Ruhrgebiet haben.

Auf zu Ruhrlink

Ist man ein richtiger Ruhrie, dann muß man die Region zunächst mal so akzeptieren, wie sie ist. Auf dieser Grundlage, und nur dann, kann man sich Gedanken darüber machen, was besser zu machen wäre. Ich glaube, das gerade für unsere Region mit ihren spezifischen Problemen viele Möglichkeiten im Internet liegen, und das sich die Dinge, wenn auch wesentlich gemächlicher als woanders, entwickeln werden.

Und darin liegt eine Chance. In Berlin wäre Ruhrlink mit seinem natürlichen Wachstum irgendwann von risikokapitalkräftiger Konkurrenz weggefegt worden. Hier konnten und können wir in Ruhe reifen, ohne auch noch mit den "Neue Markt Chrashies" konkurrieren zu müssen. Wie das mittelfristig weitergehen wird, muß man abwarten.


who: Seit wann arbeitest Du im Internet und wie bringst Du die Höhen und Tiefen Deiner Entwicklung auf den Punkt?

RB: Sechs Jahre sind es jetzt mindestens schon. Ich bin als Netzadministrator über die technische Schiene gekommen und habe die Infrastruktur sozusagen von der Pieke auf gelernt. Schon lange bevor es den PC gab, habe ich auch kreativ gearbeitet, es gibt sogar ein Buch von mir und etliche, alte Artikel in Zeitungen. Beide Bereiche vereinigen sich im Ruhrlink und das macht für mich wahrscheinlich die Faszination aus, mit der ich das Projekt schon so lange betreue.

Tiefpunkte gabs in anderen Bereichen der Firma, davon kann jeder Selbstständige etwas erzählen, gerade am Anfang. Aber dann ist es wieder ungeheuer motivierend, wenn man ein Projekt hat, das so erfolgreich funktioniert. Egal, was einen gerade gefrustet hat, wenn sich schon wieder zwanzig Sites an einem Tag angemeldet haben, dann gleicht es das aus. So gesehen spart der Ruhrlink mir Zigaretten- und Medikamentenkosten.


who: Rolf Blenn privat: Wie bringst Du markant und knapp Deine Vita auf den Punkt und wohin soll die Reise gehen?

RB: Knapp und markant geht gar nicht. Was bis jetzt so alles war, sprengt jeden Rahmen und würde Platz für drei Leben brauchen. Das alles war nichts weniger als gradlinig, und ich weiß nicht genau, ob es künftig mal so sein wird. Ich habe zuletzt als Freiberufler bundesweit gearbeitet, bin aber vor kurzem Vater geworden, so daß ich jetzt in Essen ein Büro eröffnet habe. Ich versuche hier mittelfristig ein kleines Systemhaus aufzubauen, vielleicht mit dem Fokus Internet, was aber davon abhängt, welche Aufträge in nächster Zeit reinkommen. Ich kann mit meinem Server sehr gut individuelle Websites mit interessanten Inhalten realisieren, biete aber andererseits mit einem Partner zusammen klassische Netzwerkdienstleistungen an, wobei wir beide Erfahrungen auch in Netzen mit 1000 PC und mehr einbringen können. Darauf, dass der Trend sich hält und man in ein, zwei Jahren wirklich von Ruhrlink leben kann, will ich jedenfalls nicht ausschließlich vertrauen.

Rolf Blenns Abenteuer

Das ist nämlich ein Vorteil, wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt: Man weiß, das man ohne Essen auf dem Tisch und das Bett zum Schlafen schlecht leben kann. Andererseits bin ich schon immer jemand gewesen, der für seine Träume viel aufs Spiel setzt. Ich bin ein sehr guter Techniker, aber kein Kaufmann, Ideen und Kreativität sind bei mir eine Besessenheit, die oft auf Kosten materiellen Zugewinns geht. Im Ruhrlink findet man meine Firma nur als normalen Eintrag, wir haben nicht mal einen Banner drin, so ernst nehme ich den eigenen Anspruch an journalistische Glaubwürdigkeit. Effektiv ist das aber ein kommerzieller Nachteil. Aus solchen Gründen kann ich noch immer nicht sagen, ob ich als alter Mensch glücklich auf eine erfüllte Aufgabe zurückblicken kann, oder dahinvegetieren werde.


who: Zuguterletzt die Frage, ob Du für unsere Leser ein paar kommentierte Surftips auf Lager hast, die Du unbedingt und immer wieder gerne empfiehlst?

RB: Ja, Ruhrlink. Im Ernst, auf der rechten Seite von Ruhrlink gibt es im gelben Feld jede Woche einen, der bei der Anmeldung aufgefallen ist. Und unter dem Link "mehr..." noch einmal so viel. Wenn doch etwas übersehen wird oder sich jemand für was anderes interessiert, haben wir ja die Suchmaschine und den Katalog. Es gibt immer wieder was Neues in unserer Region, das ganze ist hochspannend und interessant. Wir versuchen mit unseren Mitteln diese Entwicklung zu fördern. Und es ist noch etliches in der Bookmarkliste. Mein kommentierter Surftip ist also das Ruhrgebiet selbst.

who: Vielen Dank für die spannenden Antworten.

Website: Ruhrlink

 
 



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