Ralph Segert

#UI-DESIGN

17.06.2017

Segerts Linkschleuder #2 - mit Themen wie Corporate Design, Online-Marketing und User Experience

Corporate Design und Marketing - Jürgen Siebert fragt auf Page online Was ist eigentlich Corporate Design? und spricht mir mit folgendem Satz aus der Seele:

“Die Verbraucher sind so mündig und mächtig wie nie zuvor, also werden sie mitreden, wenn es um das Image einer Marke geht.”

Ein inspiriender Satz, der die “soziale Phase des Corporate Designs” nahelegt und wie der ganze Artikel als Ausblick in die Zukunft gedacht ist. Ein Satz, der zugleich als Leitsatz für ein neues Online-Marketing gelten sollte, der Respekt vor dem “Verbaucher” fordert. Und was passiert? Page online hält mir beim Lesen mehrmals einen Layer zur Newsletter-Anmeldung vor die Nase, genau eine von den Usern mit am meisten gehasste “Online Advertising Technique”. Keine Spur von Vertrauen in die Mündigkeit des Verbrauchers.

Layer-Penetranz

User-Experience - Ein fast schon tot gebetetes Wort mit aus Verbrauchersicht leider noch wenig ausgeprägter Verbreitung oder? Trotzdem sind wir natürlich für die 8 schnellen Maßnahmen, die Erfolg versprechen dankbar, auch wenn manches, das uns t3n empfiehlt, längst in Fleisch und Blut von Konzeptern und Designern übergegangen sein sollte. Zudem zeigt der Artikel, wie der “Marketer” nebenbei zwei Affiliate-Links im Artikel unterbringt, um auf gelungene About-Seiten hinzuweisen. Klicke ich dann auf diese Links, muss ich die Abouts erst suchen. Gar nicht so einfach mit der User Experience oder? 

User Interface Design - Der Artikel 31 Brilliant User Interface Animations verspricht dagegen nicht zuviel, sondern zeigt eindrucksvoll, daß Animation sehr gut im Sinne von Form follows function eingesetzt werden kann, siehe zum Beispiel 5. One Field Form. 

Git und Sketch - True Collaboration via Git and Sketch Is Finally Here heißt ein How-To-Artikel, der das Ziel hat, uns zu zeigen, wie man Sketch-Files in den Git-Workflow integriert, ohne daß das nicht-technische Personal das Weite sucht. Wobei das Einrichten dieser Technik unbedingt terminalversiertem Personal anvertraut werden sollte.

CMS-Vergleich - Vorteile und Nachteile von TYPO3 gehörte diese Woche zu meinen am intensivsten gelesenen Artikeln im Zusammenhang mit den Texten für mein Projekt Modulée (Affiliate-Link ;-) .

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31.05.2017

Appdesign von der Idee bis zum klickbaren Prototypen

“Apps machen - Der Kompaktkurs für Designer“ ist eines der wenigen Fachbücher, die Appdesign weit über die technisch-gestalterischen Aspekte hinaus thematisiert. Karolina Schilling ist es gelungen, uns Appdesign mit einem ganzheitlichen Ansatz schmackhaft zu machen. Nicht umsonst steht auf dem Cover „von der Idee bis zum klickbaren Prototypen.“

Ideen indes gibt es viele und für die Entwicklung einer App gilt es, den Kernnutzen und die Zielgruppe herauszuarbeiten. Die Autorin versteht es, uns mit einigen harten Fragen zu konfrontieren, die zu stellen sind, wenn wir unsere App nicht am Benutzer und am Markt vorbei entwickeln wollen. Sie bringt das mit den “Zehn Schlüsselfragen, bevor Sie auch nur einen Finger rühren” gleich zu Anfang auf den Punkt. So kann es sein, dass bei der ehrlichen Beantwortung dieser Fragen unsere Idee immer kleiner wird und der Kernnutzen keine klare Kontur bekommt.

Auch die Rolle des Appdesigners beim Apps machen wird beleuchtet. Spannend fand ich, dass hierbei psychologische Aspekte beleuchtet werden. Neben der emotionalen Intelligenz für das Ein- und Mitfühlen auch die Fähigkeit der Resilienz, ein Begriff für die psychische Widerstandskraft, für die seelische Kondition, die Rückschläge gut verkraftet und daraus neue Kräfte entwickelt. Resilienz kann uns helfen, aufrecht zu bleiben und die richtigen Fragen zu stellen, wenn nach mühevoller Arbeit ein Entwurf mit ein paar ungehaltenen Worten vernichtet wird. Offensives, sachliches Nachfragen wirkt manchmal Wunder. Und: “Sie sind nicht ironisch, niemals!”.

Welche Aufgaben der Appdesigner hat, ist nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint. Und so spart das Buch nicht an Worten und zeigt, dass die Vielseitigkeit seiner Aufgaben mit der Größe des Teams und den Produktionszusammenhängen steht und fällt. In kleinen Teams kann der Appdesigner zugleich als UX-Designer gefragt sein, der beispielsweise Erfahrungen mit Interaktionsdesign, Informationsarchitektur und Usability Engineering hat. Allgemein gilt, dass ein breites UX-Wissen den Erfolg einer App wahrscheinlicher macht.

Wachse mit den Aufgaben, das ist die Botschaft des Buches.

So ist das Buch in der Folge konsequent und stellt dem Designer die für das Appdesign relevanten Techniken, Fragen und Methoden des UX-Designs vor, die in der Folge vertieft werden.  Wachse mit den Aufgaben, das ist die Botschaft des Buches. Somit werden auch die Einzelkämpfer unter uns ermuntert, ihre Ideen mutig voranzubringen und sich als konzipierende Designer neu zu erfinden.

Spannend fand ich das Kapitel über MVP - Minimum Viable Product: Überzeuge die Leute da draussen mit einem Prototypen, der sich wie ein echtes Produkt anfühlt, aber keines ist. Zeige, welche Bedürfnisse befriedigt, welche Probleme gelöst werden und begeistere. Das konkretisiert die Autorin am Beispiel des “Dropbox-MVPs” vom Drew Houston, der ein Video ins Netz stellte, das zeigte, wie Dropbox funktioniert. Obwohl noch nichts programmiert war, war das so überzeugend, dass Dropbox sehr viel Aufmerksamkeit bekam. Ein bisschen Glück war aber auch dabei.

Nach einem Drittel des Buches werden die Kapitel zunehmend praxisorientierter und technischer. Es werden “App-Typen und mobile Technolgien” vorgestellt, Aspekte der Konzeption bis zum Prototypen abgehandelt und die praktischen Wege zum gelungenen User Interface aufgezeigt. Herausheben möchte ich hier das Unterkapitel “UI Workflow - Tools & Methoden”. Hier wird mein Lieblingsprogramm Sketch vorgestellt sowie die Tools, die dem Appdesigner dabei helfen, zum Beispiel den Softwareentwicklern die notwendigen Assets bereitzustellen.

Fazit: Ein wunderbares Buch, dass die vielen Diskussionen über App- und UX-Design - hauptamtlich in der englischsprachigenen Welt - komprimiert zusammenfasst. Ein Buch, das lange auf dem Schreibtisch liegen darf, da es auch gut als Nachschlagewerk funktioniert. Ein Buch, das mir typisch erscheint für die IT-Bücher aus dem Hanser-Verlag, der die kompetensten und schreibgewandtsten Autoren ans Werk läßt.

Und da wir grad beim Schreibstil sind. Karolia Schilling schreibt lebendig, fliessend, unterhaltsam - und ohne das nervtötende Du als Anrede. Geht doch.

Apps machen. Der Kompaktkurs für Designer. Von der Idee zum klickbaren Prototypen. Karolina Schilling, München 2016, 39,99 Euro

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