Ralph Segert

#TOOLS

26.05.2017

MacBook Pro 2016: Des Teufels Tastatur

Apple, was ist aus Dir geworden?! Produzierst 2016 ein MacBook Pro mit einer Tastatur, die einem ergonomischen Offenbarungseid gleichkommt, allein um ein paar Millimeter Gehäusehöhe zu sparen. Hat niemand aus deinem Haus diese Touchbar-Tastatur auf Praxistauglichkeit geprüft? Dann wären vielleicht einige No-Gos für ein hochpreisiges Notebook aufgefallen.

Fangen wir mit dem kleinen Übel an, mit der Haptik. Die erzeugt ein Feeling, als würde ich ein knarrzendes Brett bedienen. Dazu passt der Hub, der das angenehme Tippgefühl des Vorgängergerätes völlig vermissen läßt. Es ist, als würden die Fingerspitzen die Erwartung nicht los, über harte Eier zu laufen. Gewiss, für Kinder wäre das eine tolle Tastatur, soviele unerwartete Geräusche und die riesigen Tasten dazu, die man auch mit der Nase und dem Handballen bedienen könnte.

Ach ja, die Tasten, die ich sehr oft zum Coden von CSS und Templates benutze: Es war eine große Überraschung, daß die Pfeiltasten - die nach unten und die nach oben, nur auf jeden dritten oder vierten Druck reagieren. Gerade diese Tasten! Für Coder neben den Klammern, Semikolon und Command das Herz der Tastatur! Zuerst dachte ich, ein Hardwarefehler. So schickte ich das generalüberholte Gerät zurück an Apple und kaufte woanders ein neues Gerät. Die beiden Pfeiltasten indes blieben unberechenbar.

Akzeptierte ich das schnell als eine Tatsache - hier im Ruhrgebiet sagen sie auch, ein bisschen Verlust is immer -, zeigte prompt die Touchbar, was in ihr steckt. Ein Spielzeug für Menschen, die von Touchdisplays nicht genug bekommen. Toll anzusehen, mit überraschenden Möglichkeiten. Ja sogar Wortverschläge erscheinen. Kontextsensitivität aus dem Vollen. Aber!

Aber hat ein für dieses ergonomische Desaster verantwortlicher Apple-Produktmanager sich einmal ausgiebig angesehen, wie unterschiedlich Menschen im Alltag tippen? Wenn ich zum Beispiel meinen Leib-und Magen-Editor Coda benutze und oben das Anführungszeichen oder die Zahlen 1 bis 5 drücke (häufig!), dann streife ich zugleich unbeabsichtigt die Touchbar mit den Fingern, die nicht tippen, sprich mit Mittel- und Ringfinger. Ich habe das zuerst gar nicht durchschaut. Warum bin ich plötzlich in der Vorschau? So wird jeder Flow im Keim erstickt. Fuck und Fazit:

Das ist echter Apple-Mittelfinger für den User. Mein sehnlichster Wunsch für meine MacBook-Pro-Zukunft: Die Möglichkeit, die Touchbar gezielt für jede App abschalten zu können. Bis dahin helfe ich mir mit einer externen Tastatur. Was für ein angenehmes und sicheres Tippgefühl!

Thema: Design · Kommentare 0 · Direktlink

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