Deutet die kontroverse Diskussion unter dem Posting Yet Another Multicolumn Layout – Version 2.0 nicht an, dass Weblogs die User nicht nur zu fairer Diskussion und Kritik bewegen, sondern mittlerweile unverzichtbar sind für alle relevanten Fragen des Webdesigns? Wahrscheinlich wäre zum Beispiel der Begriff Webstandards ohne Weblogs zumindestens hierzulande gar nicht existent.
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4 Kommentare
1. Iris am 10. Januar. 2006 um 16:08
Hmm, also ich hab’ mir ja erst vor Kurzem mein erstes eigenes Weblog zugelegt. Mit standardkonformen CSS-Design beschäftige ich mich allerdings inzwischen schon ein paar Jahre. Und ich trage mich derzeit schon mit dem Gedanken, demnächst zumindest eine der Webdesign-bezogenen Kategorien in meinem Blog zu schließen.
Wieso? Einfache Antwort: Auf mich persönlich wirken die Blog-Diskussionen rund ums Thema Webentwicklung in letzter Zeit zunehmend engstirnig – zu technisch, zu dogmatisch, zu verbissen, zu elitär, zu weit weg vom Wahlspruch der Webautoren der ersten Generation ‘Everyone’s a publisher’. Da wird imo in weiten Teilen überhaupt nicht mehr über den Tellerrand geguckt. Bei aller Liebe zum Experimentieren in Sachen Webentwicklung, Webdesign war und ist für mich nur Mittel zum Zweck. Es ist nicht DAS Thema.
Wenn man sich in der heute bloggenden Webentwickler-Szene mal eine Weile umschaut, stellt man schnell fest, dass da eigentlich überall immer nur der selbe kleine Kreis diskutiert. Und die Themen, über die da geschrieben wird, finde ich ehrlich gesagt immer langweiliger. Ich versteh’ nich’, wie sich Leute dermaßen über ein div mehr oder weniger ereifern können. In meinen Augen ist diese kramphafte Konzentration auf relativ unwichtige Details einfach nur kleinkariert.
Es sollte doch eigentlich auch darum gehen, mehr Leute für standardkonformes Webdesign zu begeistern, mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen, gemeinsam Spaß an der Sache zu haben, oder? Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das mit demonstrativer Besserwisserei und exzessivem Rumreiten auf technischen Feinheiten klappt. Ich zumindest finde das öde.
2. Ralph am 10. Januar. 2006 um 16:29
Deine Beobachtungen kann ich nur teilen. Allein die Frage, wann und wo, wie und warum Tabellen eingesetzt werden sollen, scheidet die Geister über Gebühr und drückt meiner Meinung nach aus, dass Technikfixiertheit alles andere als offene uund faire Diskussionen bewirken, im Gegenteil, der Blick auf die echten Vorteile von CSS-Design für Kunden, Benutzer und das Web verliert man aus den Augen. Statt sich zu freuen über jede valide Site, wird die Tabelle zum Feind der Webstandards hochgequatscht, spürt man überflüssige Zeilenumbrüche auf und diskrediert die Fortschritte der Webdesigner durch lautstarkes Anklagen nicht ordnungsgemäß strukturierter CSS-Dateien, als gäbe es keine größeren Sehnsüchte als die nach DIN-Normen.
Trotzdem waren es immer wieder Weblogs, die beharrlich und informativ auf die Vorteile der Webstandards hingewiesen haben, diese zudem belegt und immer wieder auch visualisiert haben, indem das eigene Weblog als Expermentierfeld diente. Somit hat sich die Akzeptanz in den letzten Jahren deutlich erhöht. Ich zumindestens verdanke Weblog-Artikeln meine Abkehr vom alten HTML-Baukasten und den schnellen Einstieg in neue Gestaltungsmöglichkeiten.
3. Dirk Niemeier am 13. Januar. 2006 um 11:34
Ist es wirklich so schlimm? Angesichts der immer noch geringen und konsequenten Einhaltung von Standards (ich verweise da mal auf den Heise-Artikel \”Nur 3,9 Prozent des deutschen Webs sind standardkonform\” [1]) drängt sich der Eindruck auf, dass hier noch viel Entwicklungsarbeit nötig ist. Die Mehrzahl der Diskussionen in Blogs oder sonstwo sind ja nicht mal unbedingt belehrend, sondern nur informativer Natur. Wenn sich jemand informieren will, wie er seine Arbeit perfektionieren kann, dann kann er sich diese Diskussion durchlesen und ansonsten lässt man es halt.
CSS und Tabellen sind da z.B. so ein Punkt. CSS-Layout ist kein Muss, aber es ist ein i-Tüpfelchen für ein frisches modernes Layout.
Man muss ja auch bedenken, dass allein die Validität einer Seite nur den Grundstock einer barrierefreien Seite darstellt. Natürlich ist es erfreulich, wenn jemand eine valide Seite gebastelt hat, aber die Seite kann trotzdem konzeptionell so schlecht sein, dass kein Mensch sie bedienen kann und will oder der Inhalt einigen Leuten dennoch verwehrt bleibt. Insofern darf die Kritik oder Diskussion nicht an diesem Punkt aufhören, sondern muss auch noch ein oder zwei Schritte weiter gehen. Ansonsten wäre sie oberflächlich und prinzipiengesteuert.
Minutiöse und kleinkarierte Diskussionen von Eingeweihten, (Pseudo-)Experten gibt es eigentlich überall. Darüber würde ich mich nicht aufregen. Interessanter ist eigentlich die Schnittstelle zwischen Experten und Anfängern oder Hobbybastlern.
Wenn jemand kommt und sagt \”Könnt ihr mal meine Website beurteilen\”, dann wird sie eben auch nach den gleichen Maßstäben beurteilt, wie die Seiten eines professionellen Entwicklers. Das macht ja auch Sinn, weil die Besucher da auch keinen Anfänger-Bonus vergeben. Andernfalls würde man dem Webbie ja Honig um den Mund schmieren.
Was den Ton der Kritik angeht, sollte man aber schon unterscheiden und sich dann manchmal etwas zurückhalten. Die Kritik sollte Einsteiger vor allen Dingen auch nicht einschüchtern, sondern zwischen all dem Genörgel auch motivieren. Verbesserungsvorschläge sollten sachlich bleiben und nicht vernichtend.
[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/58041
4. Iris am 13. Januar. 2006 um 18:57
Hi Dirk,
\”Ist es wirklich so schlimm?\”
Ja. Ich zumindest empfinde die Pedanterie, die in gewissen Kreisen immer häufiger zum Ausdruck gebracht wird, mittlerweile als unsympathisch bis nervig.
\”Angesichts der immer noch geringen und konsequenten Einhaltung von Standards (ich verweise da mal auf den Heise-Artikel \”Nur 3,9 Prozent des deutschen Webs sind standardkonform\” [1]) drängt sich der Eindruck auf, dass hier noch viel Entwicklungsarbeit nötig ist.\”
Da will ich Dir auch gar nicht widersprechen. Aber ich finde, auf das Wie kommt\’s an. Sympathien für Webstandards gewinnt man imo nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Ich finde, erworbenes Wissen weitergeben und Erfahrungen austauschen ist was anderes als ständig auf evtl. noch vorhandenen Fehlern und Schwächen anderer rumzuhacken. Das erzeugt doch bloß Frust, und Frust ist ein Lustkiller.
Fortschritte loben, gute Beispiele hervorheben, Antworten auf Fragen und praktische Tips geben, bringt m.E. mehr.
\”Die Mehrzahl der Diskussionen in Blogs oder sonstwo sind ja nicht mal unbedingt belehrend, sondern nur informativer Natur.\”
…naja, da ist aber imo auch viel bloß Schaumschlägerei…