Das segert.net weblog schrieb ich zwischen Oktober 2003 und Dezember 2007 mehr oder weniger intensiv. Weiter mit dem Bloggen geht es auf ralph-segert.de und mit dem Webzettel.
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Der folgende Praxistest konzentriert sich auf die Fragen, ob die Leica Digilux 2 (in der Folge D2) als Reportagekamera tauglich ist, ob sie auch Schnappschüsse aus unerwarteten Situationen heraus erlaubt und wie sie mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen im S/W-Modus zurechtkommt. Ein Urteil über die Qualität von Farbbildern wird hier nicht abgegeben. Der Test orientiert sich an den Erfahrungen, die ich mit der Coolpix-Serie (990 und 4500) gemacht habe. Da die D2 auf Techniken des analogen Fotografierens setzt, war zur Beurteilung ihrer Stärken und Schwächen 3 Jahre Erfahrung mit einer Leica M hilfreich.
Der manuelle Fokus stellte sich schnell als unbrauchbar heraus. Der digitale Sucher kommt arg verrauscht daher und die “Lupenfunktion” (8fach) beim Scharfstellen reagiert sehr schwerfällig. Visiere ich ein Motiv aus 8 m Entfernung an, so kann ich den Entfernungs-Einstellring zwischen 0,6 und 8 m drehen, ohne eine Veränderung auf den Displays wahrzunehmen. Es macht kaum einen Unterschied, ob ich die LCD-Anzeige im Sucher oder am Gehäuse benutze.
Der »elektronische Sucher« ermöglicht keinen Eindruck von den Kontrasten. Eine Bestimmung der Belichtung und der Bildstimmung war mir nicht möglich. Für das relativ sichere Fotografieren bleibt nur die Benutzung des äusseren LCD-Monitors übrig. Wer einen praxistauglichen digitalen Sucher erwartet hat, wird also enttäuscht.
Die mittenbetonte Messung ist im Zusammenspiel mit dem grossen Display ein recht zuverlässiges Paar. Gleich nach der Entscheidung, den Sucher einfach zu ignorieren, um den großzügigen LCD-Monitor zu benutzen, entwickelte sich Spaß an der Größe und hohen Auflösung des Monitors. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist noch genug zu erkennen, um eine passende Belichtung relativ gut abzuschätzen. Hilfreich ist dabei, dass auch aus steilen Blickwinkeln heraus noch genügend Bild zu erkennen ist. So kann die Kamera in die Höhe gestreckt werden und gleichzeitig ein passender Bildschirmausschnitt gewählt und die Belichtung abgeschätzt werden.

Die D2 lädt dazu ein, auch ohne Blick aufs Display zu fotografieren, von Boden aus schräg nach oben zum Beispiel. Die Schwere der Kamera wirkt sich hier als Vorteil aus. Sie liegt satt in der Hand und das Gewicht trägt dazu bei, Verwackeln zu vermeiden. Sie hätte ruhig noch etwas schwerer sein können. Das Problem bei den Digitalen, die ich bisher benutzte, war ihre Leichtigkeit und ein nicht gerade weicher Auslöser. Mit einer M6 kann man auch mit langen Zeiten scharfe Fotos machen. Bei der Coolpix 4500 hatte ich bereits nicht selten bereits bei einer 30stel Sekunde Probleme.
Der Verzicht auf manuellen Fokus setzt einen ausgereiften Autofokus voraus. Der AF der D2 scheint das nicht zu sein. Bei leichtem Tele, vor allem bei 90 mm, musste ich öfter ein 2. oder 3. Mal ansetzen. Auch bei leichtem Gegenlicht kann es Probleme geben. Im Vergleich zur Coolpix 4500 ist der Autofokus der D2 dann doch wieder schnell. So schnell, dass lomografisches Fotografieren möglich ist: Spontan reinhalten ins Geschehen, dann nur noch kurz andrücken und abdrücken.

Überzeugend ist das Bedienungskonzept der D2. Ich kann mir Optionen aus den Menüs frei auf eine Taste mit 4 Funktionen legen (Taste “Function” an der Gehäuserückwand), so dass zum Beispiel Weissabgleich oder ISO-Empfindlichkeit mit zweimaligem Tastendruck erreichbar sind. Die Menüs sind ohne Verzögerung da und intuitiv bedienbar. Nach dem Einstellen reicht ein leichter Druck auf den Auslöser, um zur Bereitschaft zurückzukehren. Auch die Anzeigen im Display sind schnell wegzuschalten, eine gut erreichbare Taste an der Gehäuserückseite macht das möglich. Ich fotografiere lieber mit freiem Display, weil die obere Leiste der Symbole eine Ausschnittwahl erschwert. Sind die Symbole eingeblendet, muss man allerdings drei Mal auf die Taste “Display” drücken, um das freie Display erneut zu erreichen. Dazwischen liegt die Einblendung eines Histogramms und eines »Gitternetzes«, dessen Sinn mir bis heute verschlossen blieb.
Bevorzugt positioniert ist auch die EV-Taste. Mit einem Tastendruck wird die Belichtunskorrektur geöffnet. Mit der Wippe oder dem Rad läßt sich dann ein Wert einstellen. 2maliges Drücken auf “EV” erlaubt die Einstellung von 3 oder 5 Serienbildern, die nach selbstgewählten Abstufungen der Belichtungskorrektur durchgeführt werden können. Dass die »automatische Belichtungsreihe« in schwierigen Belichtunssituationen brauchbar sein kann, daran besteht wohl kein Zweifel. Da ist es hilfreich, dass sich das bei der D2 intuitiv einstellen läßt. Zudem werden Belichtungsreihen zu je 3 Bildern recht schnell abgepeichert. Nach gut 2 bis 3 Sekunden kann weiter fotografiert werden. Getestet habe ich das mit einer SD-Karte von Panasonic und mit der SanDisk Ultra II, beide 256 MB. Nachteilig war nur, dass der Autofokus gelegentlich nicht mitspielte.

Die Position des Wählrings für die Belichtungs-Messmethode ist etwas unglücklich angebracht, nämlich am Auslöser. Zum einem verstelle ich ihn öfter unbewusst, eben weil der Finger ständig am Auslöser hantiert ;-), zum anderen wäre es sinnvoller gewesen, den Hauptschalter am Auslöser anzubringen.
Insgesamt macht die Verarbeitung der Bedienungselemente einen sehr guten Eindruck. Langjähriges aktives Fotografieren ohne ausgeleierte Tasten sollte durchaus möglich sein.
Im Ganzen macht das intuitive Bedienkonzept ein schnelles Reagieren auf verschiedene Reportage- oder Portraitsituationen möglich. Gewünscht hätte ich mir eine Brennweiten-Fokussierung der Werte 35, 50 und 70, da ich gerne mit Standardbrennweiten arbeite. So bleibt mir bei der stufenlosen Einstellung nichts anderes übrig, als meine Konzentration kurz auf den Brennweitenring zu legen. Das schnelle Umschalten auf Zeitautomatik ist zwar eine schöne Sache, doch was nützt das, wenn die gezielte Verringerung der Tiefenschärfe zwischen 35 und 50 mm kaum möglich ist. Ein Standard-Problem der digitalen Kameras. Aber zum Glück habe ich ja meistens eine Analoge dabei. ;-)
Die Akkuleistung ist sehr gut. Auf der Demo gegen Sozialabbau hatte ich die Kamera 3,5 Stunden im Dauerbetrieb. Insgesamt habe ich 658 Bilder machen können (zwischen 2,4 und 2,9 MB gross). Mit einem Ersatzakku (90 Euro!) ist man also auch auf längeren Strecken gut gerüstet.

Sicher gäbe es noch vieles zu testen an der D2. So ist das Objektiv (1:2,0 - 2,4 ASPH, 28-90 mm) über fast jeden Zweifel erhaben. Die Verzerrungen bei Weitwinkel-Einstellungen sind weitaus geringer, als bei der Coolpix 4500 bei 35 mm. Zudem läßt es sich wunderbar bedienen. Die Einstellringe laufen butterweich, die Entriegelungsknöpfe sind gut erreichbar, versehentliches Entriegeln ist ausgeschlossen. Brennweite und Blende lassen sich gleichzeitig mit Zeige- und Mittelfinger verstellen. Die Frontlinse aber ist mit ihrer starken Krümmung und großen Fläche schnell verschmutzt. Ein UV-Filter ist durchaus sinnvoll. Der ist seit Mai 2004 lieferbar und schlägt leicateuer mit um die 100 Euro zu Buche.
Bei der Anschaffung sollten auch an die Folgekosten für Speicher, Ersatzakku und UV-Filter gedacht werden. Im Grunde sind mindestens 2200 Euro Anschaffungskosten einzuplanen (bei 1800 Euro für die Kamera), vor allem, wenn man im Urlaub unterwegs ist und keine mobile Festplatte dabei hat. Dafür gibt es ein Autoladegerät für den Akku, der um die 30 Euro kostet.
Jetzt wird es Zeit, weitere Bilder sprechen zu lassen. Die meisten Fotos der unten vorgestellten Serien sind mit Programmautomatik entstanden. Von den Standardeinstellungen habe ich unter “Bildeinst” die “Schärfe” geändert und auf “High” gestellt (gilt nur für die Serien “Unterwegs gegen Sozialabbau” und “Der letzte Milchbauer”, alle anderen Bilder wurden mit der Einstellung “Low” gemacht). Zudem habe ich unter “Weissabgl.” die Option “B/W” für Schwarz-Weiss eingestellt. Gespeichert wurden alle Bilder in bester JPEG-Qualität, höchster Auflösung (2560 x 1920 Pixel) und bei 100 ASA. Auf RAW kann man in der Reportagesituation getrost verzichten, da das Abspeichern je nach SD-Karte zwischen 7 und 10 Sekunden dauert, zudem kann das RAW-Format nicht ohne PlugIn in Photoshop geöffnet werden.
Bilderserien mit der Leica Digilux 2 auf: Fotografie mittendrin
Beim Nachbearbeiten der Bilder habe ich leichte Tonwertkorrekturen (ungefähr bei der Hälfte der Bilder) vorgenommen und nachgeschärft (Photoshop CS: “Unscharf maskieren”: Schwellenwert: 0, Radius: 0,5 Pixel, Stärke zwischen 12 und 25 %). Da die Bilder mit 650 px Breite recht groß sind für das Web, habe ich sie doch recht scharf komprimiert, bei genauerem Hinsehen werden also JPEG-Artefakte zu sehen sein.
Probeausdrucke mit dem Drucker Canon S750 auf einem mittelmässigen Inkjet-Papier zeigten Ergebnisse - nach dem Herunterskalieren auf 24 x 18 cm - die man vielleicht in einem Satz zusammenfassen kann: Verschenkbar an liebe Menschen und für Präsentationen sehr gut geeignet.

Fazit: Die Digilux 2 kommt meiner digitalen Wunsch-Reportagekamera bereits recht nahe. Auch wenn der Autofokus manchmal hakt, sind schnelle, spontane S/W-Fotografien in unterschiedlichsten Lichtsituationen und auch aus der Bewegung heraus möglich, vorausgesetzt man ist geübt im Fotografieren mit dem Display. Die schnelle Bereitschaft, das fixe Speichern der Daten, die intuitive Bedienung, das lichtstarke Zoomobjektiv und das transreflexive 2,5 Zoll-Display mit einer Auflösung von 211.000 Pixeln ergeben ein sehr kompaktes Gerät, das S/W-Fotografie mit überzeugender Bildqualität ermöglicht. Daran werden die Schwächen der Digilux 2 und die Kritik an ihr nichts ändern.
Hinweis: Der Artikel wurde am 18. Mai 2004 leicht aktualisiert und am 20. August 2005 um neue Fotoreports erweitert. Kritik und Anregungen zu diesem Praxistest gibt es im Leica-Forum.
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