
Übers Wochenende waren wir bei unserem Freund Xaver in Zwiesel im Bayerischen Wald auf einer Spanferkel-Party bei bestem Wetter (is däs oa hitz! ;-) und mit netten Leuten (immer wenn ich in Bayern bin, lerne ich sympathische und interessante Menschen kennen). Sonntag, um 1 Uhr morgens herum gab es dann einen lauten Knall. Etwa 300 Meter weiter sahen wir das Nachbarhaus brennen (der Giebel ist im Foto oben ganz im Hintergrund zu sehen). Fritz, ein Gast, kam dann geistesgegenwärtig auf die Idee, dass wir eine Leiter brauchen würden, denn er sah eine Frau im Fenster. In einem Schuppen lag eine ausfahrbare große Leiter. Zu dritt haben wir sie im Trab über das Feld getragen (ich habe dabei einen Schlappen in einem Graben gelassen). Wir waren rechtzeitig da, so dass die Frau herunterklettern konnte. Der Rauch war bereits höllisch. Fünf Minuten später kam die Feuerwehr. Die Frau hätte vorher springen müssen, um nicht zu ersticken. Interessant ist nun, was in der örtlichen Presse dazu stand, siehe den folgenden Screenshot (es gab einen weiteren Artikel im gleichen Tenor):

Man muss in jedem Artikel wohl immer mit der halben Wahrheit rechnen. Sicher, wichtig ist nur, dass der Frau nichts passiert ist und keiner von uns hat aus der schnellen Rettung ein großes Thema gemacht, aber in diesem Fall muss man schon ziemlich dreist sein, wenn man sich so zum vermeintlichen Lebensretter aufspielt. Und ich dachte am selben Morgen noch, dass es wohl nicht wenige stille Helfer in der Not gibt, über die keiner etwas weiss oder wissen muss, die schlicht genügend Courage haben, um tatkräftig ins Geschehen einzugreifen, anstatt nur zu glotzen als schaue man Reality-TV.
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8 Kommentare
1. roland am 26. Juni. 2006 um 20:00
dreist. vielleicht müssen die irgendwelche quoten erfüllen?
hier noch ein artikel mit selbiger selbstbeweihräucherung der feuerwehr.
2. kranich05 am 26. Juni. 2006 um 21:34
Ich kann gar nicht sagen, wie mir bei sowas die Galle hochkommt.
(Dabei kenn ich meinen Brecht (sinngemäß): “Auch der Hass auf das Unrecht verzerrt die Züge”)
Ich hab mir erlaubt, Ihr Lob auf die Stillen Helfer zu zitieren.
Mit freundlichem Gruß
http://opablog.twoday.net/stories/2243488/
3. Onno am 27. Juni. 2006 um 00:25
Ich finde das nur konsequent. Wo kämen die denn hin, wenn durch ruchloses Tun auswärtiger Nestbeschmutzer die heimische Feuerwehr als zu langsam dagestanden hätte; gar nicht auszudenken! Ohne Euch hätte man zumindest kollektiv eine Tragödie betrauern können.
(Uff!)
4. christian am 27. Juni. 2006 um 10:48
naja, wäre was passiert, hätten sie euch bestimmt was angekreidet ;-)
aber es ist ja gott sei dank nichts ernsthaftes passiert und für eine schöne story hier, hat es ja dann wenigstens gereicht :-)
5. Ralph am 27. Juni. 2006 um 11:19
Ein paar Mannen aus der Region haben nach nicht wenigen Telefonten eine recht freundlich geschriebene Korrektur in der Presse erreicht, die ich durchaus gelungen finde und bei der niemand sein Gesicht verlieren muss. So ists recht, Missverständnisse kommen in den besten Familien vor. ;-) Zudem habe ich vor Ort noch ohne Ironie gestaunt darüber, wie schnell die Feuerwehr da war. Frau gerettet – Es war nicht die Feuerwehr
6. Andriz am 28. Juni. 2006 um 20:12
Natürlich hatte die Feuerwehr recht – denn eine echte Zwieselerin kann und darf nicht von einem oder mehreren Preußen gerettet werden.
Also meine Version hätte so gelautet:
Freiwillige Feuerwehr rettet Brennende aus ihrem Haus, Gaffer aus der Nachbarschaft behindern Rettungsarbeiten.
Du weißt ja, es kann immer noch a bisserl schlimmer kommen ;-)))
Gruß aus Darmstadt
Le Andriz
7. eule70 am 28. Juni. 2006 um 23:54
Ach Gott, wie oft tut oder sagt man etwas gutes oder vernünftiges, und das nächste Großmaul mit Ellenbogen schmückt sich damit! Natürlich ärgert man sich. Aber irgendwann habe ich angefangen, auf so was zu sch…
Aber in diesem Fall ist es ja richtiggestellt worden, und das ist ja eine sehr positive Ausnahme!
8. analogisch.de » Fed&hellip am 3. Juli. 2006 um 00:33
[...] Man sagt nichts hätte die Welt je mehr verändert als der Buchdruck. Doch nicht alles was in gedruckten Lettern geschrieben steht entspricht auch immer der Wahrheit. In einem aktuellen Beispiel und live erlebt hat es Ralph übers Wochenende in Bayern. [...]