Das segert.net weblog schrieb ich zwischen Oktober 2003 und Dezember 2007 mehr oder weniger intensiv. Weiter mit dem Blogging geht es auf Ratatatam und bald auch wieder auf unserer Agentursite segert.net.
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Wie Verena bereits blitzschnell gepostet hat (Respekt ;-), sind wir auf Einladung von Andriz in Prag gewesen. Andriz habe ich Ende 1996 im Web kennengelernt. Er hat mich damals vor allem mit seinem Shakespeare-Projekt begeistert und zeigte sich in Prag als ein klasse Gastgeber, der uns interessante Dinge über Prag und seine Arbeit als freiberuflicher Projektleiter für diverse große Firmen erzählte.
Die Fahrt nach Prag war ein Erlebnis. In Chemnitz gibt es keine Schilder, die die Nähe und Richtung der tschechischen Grenze angezeigt hätten, was mir als Ausdruck der ausgereiften kosmopolitischen Kompetenz sächsischer Verkehrsplaner erschien. Auf der Landstraße nach Prag war es bereits dunkel und dicknebelig. Wir wurden überholt von lebensmüden Rasern, die auch bei einer Sichtweite von 20 Metern noch 100 km/h fahren. An der Grenze stellte ein Beamter fest, dass wir im Oktober 2005 den TÜV hätten aufsuchen sollen. Wir durften trotzdem weiterfahren und das Bußgeld wurde uns erlassen. Hier war das Glück mit den Doofen.

Nach 8 Stunden sind wir in Prag angekommen und suchten in der Altstadt das Domizil von Andriz. Wegen eines kleinen Vergehens gab es zuerst ein Bußgeld von 500 Kronen (ca. 15 Euro) zu zahlen. Da wir noch kein Geld umgetauscht hatten, wurde Verena fast zum Geldautomaten gestoßen, arrogant und ungeduldig, während ich laute Flüche in den dunklen Prager Himmel stieß. Da ich mich zuerst abgezockt sah, weil ich das Vergehen nicht verstand, war ich fast bereit, dafür in den Knast zu gehen. Hunger und Durst belehrten mich aber eines besseren und empörtes Protestieren ließ mich begreifen, dass wir drei Meter in die falsche Richtung gefahren waren. Hier war das Pech mit den Müden.

Neben Andriz’ Gastfreundschaft war eines der schönen Erlebnisse das Duo “Ella” auf der Karluv Most, die ausserhalb der Saison noch begehbar ist, ohne dass man Gefahr läuft, von riesigen Menschentrauben in die Moldau gedrückt zu werden. Karel Jakoubek und Marcela Jakoubková spielten auf alten Instrumenten wie Laute, diversen Flöten und Trommeln mittelalterliche und frühneuzeitliche Lieder, die mir ans Herz gingen. Als ich fragte, ob auf ihrer angebotenen CD die Lieder seien, die sie gerade zum Besten gaben, bejahten sie und spielten mir voller Freude ein weiteres vor.
Sofort aufgefallen ist mir in Prag auch eine sehr demütige und religiös anmutende Art zu betteln. Die Bettler knieen tief gebeugt auf dem Altstadtpflaster oder sitzen in Bethaltung und mit verdeckten Gesichtern in der Kälte und hoffen auf gnädige Einzahler.

Beeindruckend war auch unser Erlebnis in einer Pizzeria. Da ich ein Fan echt guter italienischer Pizza bin, hatte Andriz sich zuvor in einen Forum informiert und einen Laden in Erfahrung gebracht. Aber an dem Abend hatte das eigentliche Personal wohl gerade Urlaub. Andriz hatte bereits sein Essen auf, als unsere Pizzen kamen. Verena fand dann wenig später einen Draht in ihrer Pizza, was uns dazu brachte, ausdrücklich eine Wireless-Pizza als Ersatz zu verlangen. Der letzte Bissen war gerade geschluckt, mein Bier noch halbvoll, als abrupt die Musik ausging und um uns herum die Stühle in einer Eile auf die Tische gestellt wurden, dass wir uns genötigt sahen, die Flucht nach draußen anzutreten.

Prag ist an Werktagen ausserhalb der Saison wohl am Besten zu entdecken, da einem einfach mehr Bewegungsfreiheit bleibt. Wir fanden es bereits am Freitag sehr voll. Aber das sei noch gar nichts, versicherte uns Andriz. Auf jeden Fall lohnt es sich, in die unscheinbaren Kneipen, Pubs und Cafés einzukehren, dort wo auch Einheimische ihr Pilsener Urquell trinken und scharfen Gulasch essen.

Soweit ein paar Eindrücke von einem Kurztripp nach Prag und wie immer sind es die Höhen und die Tiefen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen und der späteren Erinnerung eine unterhaltsame Kontur verleihen. Es werden übrigens bald weitere Fotos aus Prag auf moodlens zu sehen sein. Für Freunde der kleinen Streetart ist die alte Stadt übrigens ein gefundenes Fressen.
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10 Kommentare
1. Verena am 19. Februar. 2006 um 21:16
Sehr schöne Bilder ausgewählt und treffend zusammengefasst, als wär’s gerade eben erst gewesen ;-)
2. Andriz am 20. Februar. 2006 um 10:43
S/W Fotographie ist einfach besser…
Das mit der Pizza hat mich auch etwas geärgert – bis mir heute morgen mein Taxifahrer erzählt hat, dass es in einer der alternativen Pizzerien am Samstag eine Gasexplosion in der Küche gegeben hat.
Es hätte also schlimmer kommen können.
Kann es ja immer…
3. Andriz am 20. Februar. 2006 um 10:45
PS: Am Sonntag war wieder prima Foto-Wetter…
4. Ralph am 20. Februar. 2006 um 11:41
Wir hatten es ja locker genommen und uns nicht geärgert. :-)
5. supatyp am 20. Februar. 2006 um 12:26
Lang läuft das nicht mehr gut mit Prag, wenn die weiterhin die Touris abziehen ohne Ende. dann ist auch Schluß mit voller Innenstadt. Jede Wette!
6. Ralph am 20. Februar. 2006 um 12:47
Betroffen sind nur so Blödiane wie wir, die mit dem Auto nach Prag fahren, anstatt den Flieger zu nehmen. Aber ich bin Bangebuchse im Fluchzeuch. ;-)
7. Andriz am 21. Februar. 2006 um 17:17
B-b-b-bangebuchse… hmmm – bei Segerts kann man immer wieder neue Begriffe lernen ;-)
Ach ja – ihr habt Dimitri vergessen. Er ist gestern aus dem Schornstein gekrochen, in dem er sich drei Tage lang versteckt hielt.
8. Ralph am 21. Februar. 2006 um 17:40
Das muss ein anderer Dimitri gewesen sein, meinen habe ich mitgenommen. Wenn ich es noch schaffe mit Quicktime, kommt Dimitri hier bald in Fideo.
9. Ralph am 21. Februar. 2006 um 22:44
Andriz, hier ein bisschen Dimitri (.mov 1,1MB)
10. Giorgio am 11. März. 2006 um 15:58
Die Fotos sind wirklich schön, Kompliment. Aber einige der unschönen Erfahrungen in Prag hättest du dir sparen können, wenn du dich im Web besser umgesehen hättest.
Ich arbeite an einer Info-Site über Tschechien mit ( Tschechien Online), wo es unter “Land und Leute”auch Infos zu den Prager Negativ-Hits wie Abzocke durch Polizisten und Taxifahrer gibt.
Und Pizza? Die beste gibts in einem ziemlich neuen Laden namens Pizza Nuova, am Platz der Republik (fünf Minuten vom Altstädter Ring). Der Chef kommt aus Neapel, capsici? Für einen Strafzettel a 500 Kronen kann man da locker zu zweit satt werden.