Das segert.net weblog schrieb ich zwischen Oktober 2003 und Dezember 2007 mehr oder weniger intensiv. Weiter mit dem Bloggen geht es auf ralph-segert.de und mit dem Webzettel.
ralphs
Dee fragt mit Blick auf ihre Freelancer-Tätigkeit: Bekommst Du, was Du verdienst?. Eine Frage, die jetzt nicht nur mich nachdenklich gemacht hat.
Im Januar 2006 verkaufe ich seit 8 Jahren mehr oder weniger Webdesign. Nachwievor ist jedes Angebot mit der schwierigen Frage verbunden, ob ich mich als Pixelknecht oder Kreativer verkaufe - etwas überspitzt formuliert. ;) Wenn der Interessent Ideen nicht bezahlen, aber natürlich - natürlich! - welche haben will, kann ich mich drehen und wenden wie ich will, der Posten Konzept und Kreation ist dann der Posten, der das Angebot zu teuer macht. Da nützen auch offizielle Honorartabellen nichts. Auch löst bei manchen Angeboten der höhere Posten Grafik und Illustration im Vergleich zu CSS- und HTML-Coding höchste Irritation aus: Progammierung ist doch teurer! Wobei zugegebenermassen letzteres nur noch selten vorkommt.
Öfter dagegen ist eine bestimmte Haltung anzutreffen: Dienstleister-Gewohnheiten wie kundennahe Kommunikation, Zuverlässigkeit, faire Beratung, Schnelligkeit, die mehr oder weniger zahlreichen kleinen und praktischen Ideen nebenbei sowie eine Projektrealisierung, bei der der Kunde und seine Mitarbeiter etwas lernen, wenn sie denn Interesse hätten, sind mit 0 Euro in Rechnung zu stellen. Sind diese kundenfreundlichen und kreativen wie flexiblen Verhaltensweisen doch schlicht eine Selbstverständlichkeit im Land der Nörgler und Knauser! Und schließlich gehören Service und Support hierzulande zu den niederen Tätigkeiten gleich dem Putzeimertragen ausländischer Reiningungskräfte. Das eine wie das andere gehört mit zum Job! Ja, wo leben sie denn!
Gewissenkonflikte hat man auszustehen, wenn der Preis mit dem Versprechen gedrückt werden soll, dass weitere Kunden und Aufträge folgen werden, sie hätten viele Beziehungen, wir würden uns kaum retten können. Aber wenn man sich zweimal im Himmelreich (oder der Hölle, je nach Standpunkt) immens großer Nachfrage wähnte (und sich bereits als freundlicher Arbeitsverteiler in vernetzter Gemeinschaft sah), wird man auf die Flüchtigkeit der Worte verweisen und konsequent bei seinem eh schon schmerzhaft gedrückten Preis bleiben müssen.
Ungeachtet dessen ist die Kluft zwischen dem, was viel und was wenig ist, in Zeiten von Hartz IV deutlich größer geworden. Zum anderen wird in weitaus härteren Zeiten sicher zuerst beim luftigen Gewerbe der Kreation gespart werden. Und einmal ehrlich: Wer wird von der weichsten aller Dienstleistungen am Ende satt. Es bleiben die, die sich kreatives Web- und Grafikdesign noch leisten wollen. Aber die werden immer weniger und dazu tragen nicht nur massiver Konkurrenzkampf und eine katastrophale, konzernfixierte Wirtschaftspolitik bei, sondern auch ästhetische Verflachung und Verramschung von Design, utopisches Anspruchsdenken und infantile Schnäppchenmentalität. So leid es einem auch tun kann, der ichfixierte Freelancer wird die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen irgendwann nicht mehr verdrängen können, indem er gekränkt das kleine Fähnchen kreativer Leistung und deren angemessene Bezahlung hochhält.
Sollte der Erkenntnisstand soweit fortgeschritten sein, wird man sich das Jammern wohl eins um andere Mal sparen, zum Beispiel auch dann, wenn man feststellt, dass man eigentlich unter Preis und überhaupt. Hilfreich für den Eigentrost ist eventuell zudem, alle 5 Jahre einen Durchschnitt zu ermitteln, sicher wird man als jemand, der sich langjährig in der Marktwirtschaft behauptet hat, einsehen, dass man auf seine Kosten gekommen ist, auch wenn es nicht immer einfach war: Und eventuell lernt man das Glück seines Berufes schätzen und überhaupt das Glück, dass man - Oh danke, Internet! - ohne Werbeetat doch immer mal wieder neue Kunden gewinnt und darunter auch immer mal wieder welche sind, die Geld für Kreation ausgeben wollen. Ganz abgesehen davon, dass in jedem Angebot neben den harten Faktoren auch das unausgespochene und nicht Bemessbare steckt: Wie sympathisch ist mir der Kunde und sein Projekt? Wie lange kennt man sich? Kam bereits tatsächlich neue Arbeit nach? Ist Vertrauen da? Arbeite ich im Kernbereich, bin ich also entsprechend schnell, erfahren und versiert oder schlage ich etwa meine Übungsstunden auf den Preis? Aber was führe ich noch lang aus. Das Freelancer-Geschäft mit dem Kunden ist schlicht sehr relativ und die vorteilhafteste Eigenschaft ist hier wohl Flexibilität. Zusammen mit der Erfahrung und einem Netz von Beziehungen und Kontakten wird man dann auch das eine oder andere Preis-Dumping überleben.
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1. Roland am 17. Dezember. 2005 um 10:57
Die Kreativität bleibt heutzutage leider vielerorten auf der Strecke, nicht nur bei Freelancern. Meistens steht sie nur dann hoch im Kurs, wenn sie nichts kostet, da gebe ich dir Recht.
Das Problem beginnt jedoch schon viel früher als bei irgendwelchen Firmen, die Geld sparen wollen und Kreativität als kostenlose Zugabe ansehen. Welcher \”normale Bürger\” ist denn schon bereit, für Kreativität zu zahlen. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn ein Architekt dem Häuslebauer einen sinnvollen Verbesserungsvorschlag macht und diesen in Rechnung stellen will. Wir kaufen unsere Bücher bei Bild und Kunst im Aldi; eine Marge für Kreativität gibt es da nicht; das reicht gerade für die Herstellungskosten und den Gewinn.
2. Sebastian Schimpf am 3. Januar. 2006 um 16:49
Sein oder nicht Design?
Sicherlich sind viele Kunden bereit für Design Geld auszugeben, wenn Sie ein Verständnis für dessen Mehrwert aufbringen. Man sollte allerdings keine Zeit mit dem Versuch vergeuden, einem Blinden ein Kunstwerk zu verkaufen!
In einer relativen Welt ist eben alles relativ,
auch der Wert eines “guten” Designs auch der Wert einer konsistenten Optik im Erscheinungsbild eines Unternehmens.
Nicht jedes Unternehmen zeigt große Wertschätzung für Design.
Für meine Kunden ist die Programmierung oftmals weniger greifbar als ein Design. Wie Ralph schon sagte, ist Flexibilität gefragt, denn wer nicht vielseitig ist, wird schnell Schwierigkeiten bekommen, wenn er es nicht versteht seine Spezialitäten schmackhaft zu präsentieren.
Kommunikation ist einer der Schlüssel zum geschäftlichen Erfolg. Doch wo fängt die Kommunikation an? Mit einer Idee, mit einem Gedanken, schon bevor man das erste Wort ausspricht?
Achten wir also auf unsere Gedanken, Worte und auf die Taten die darauf folgen. Wollen wir unsere Situation zum “Guten” verändern, sollten wir damit im Kopf anfangen.
Ich persönlich möchte das Mangeldenken, das in unserer Gesellschaft vorherrscht, zumindest in meinem Kopf auslöschen. Es ist wie ein fehlerhaftes Programm das krank macht (”Geiz ist Geil!”), wenn wir nicht rechtzeitig die Kurve kriegen.
Wenn man der Mehrzahl der Stimmen Glauben schenkt, könnte man glatt denken es gibt von allem zu wenig und wir können garnicht genug bekommen.
Wo kommt dieses Denken bloß her und sieht die Realität wirklich so aus?