Heute zeigt die ARD zur besten Sendezeit die erste Folge von Heimat 3. Ich bin gespannt, ob Edgar Reitz (siehe das taz-Interview) und sein Co-Autor die Intensität der ersten Staffel erreichen. Die Filmkritik Utopie des Ankommens läßt das nicht unbedingt vermuten. Interessant auch die Produktionsbedingungen, über die Thomas Brussig im Interview “Nie heimische geworden”) berichtet. Es zeigt, die Fernsehmacher des Öffentlich-Rechtlichen streben wie Idioten nach der Verflachung von Film und Fernsehen!
“Die Fernsehleute waren allein von irgendwelchen Quotenfantasien besessen. Lieber heute eine Quote von 30 Prozent und morgen wieder vergessen, als mit einer Quote von 20 Prozent in zehn Jahren zu den Fernsehereignissen gezählt zu werden, die haften blieben. Edgar Reitz hat eine eigene Ästhetik. Ich halte ihn für ein Genie, für einen Menschen, der Film so denkt, als wären die filmischen Erzählweisen noch längst nicht festgelegt. Was zum Beispiel geschieht dadurch, dass er in seinen Filmen keine Stars einsetzt? Der Schauspieler verschmilzt mit der Rolle. Wir sehen nicht Götz George bei der Arbeit zu, und am Ende des Films behalten wir den Namen der Rolle, nicht die des Schauspielers. Diesen Stil des Authentischen hat er in einem Maße entwickelt, das in der Filmgeschichte ohne Beispiel ist. Für so was haben Fernsehleute überhaupt keine Sensibilität, geschweige denn, eine Begeisterung.”
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Kommentare
1. trebroN am 15. Dezember. 2004 um 17:00
Die Intensitaet der \”Heimat 3\” kann man jetzt noch gar nicht beurteilen. Das dort gezeigte ist \”unserer\” Generation zu nahe… Es gibt keinen historischen und emotionalen Abstand.
Mir hat \”Heimat 3\” – ungekuerzt im Kino – sehr gut gefallen. Es durfte auch mehr gelacht werden; was dem Film auch gut tut!
Bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt:)
2. Lazerte am 16. Dezember. 2004 um 08:46
Heimat 1 gehört für mich zu den Filmen, die ich (neben Dr. Schiwago (lacht mich ruhig aus) und Fahrenheit 451) vermutlich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde.
In Heimat 2 bin ich damals überhaupt nicht reingekommen. Und gestern hab ich mich auch ein bisschen schwer getan. Wäre der Kredit aus Heimat 1 nicht gewesen, hätte ich am Anfang abgeschaltet. Diese Verknüpfung von Privatem und Historischem bleibt am Anfang in meinen Augen völlig beliebig und konstruiert. Ist jetzt sehr pauschal gesagt, aber für die Stadt hat der Film erst mal gar keine Sprache gefunden. Und in der gestelzten Diktion der (Selbst-)Gespräche von Herrmann und Clarissa raschelt mir einfach zu viel Papier. Je mehr wir uns dann dem kleinen Dörfchen Schabbach wieder nähern, desto schärfer und origineller wird der Blick. Ich glaub, da kann noch was draus werden…
3. Ralph am 16. Dezember. 2004 um 11:14
Mir ging es gestern ähnlich, obwohl ich mir die witzigen Osthasen auf Anhieb gut vorstellen konnte und hier und da netter Humor war. Doch es fehlte ein Glasisch, der wunderbar einfach und neutral erzählt (erinnert an die Sendung mit der Maus ;), aber einen solchen kann es für die letzten Jahrzehnte nicht mehr geben, da ist der Film schon konsequent, wenn er weiterhin auch eine Familiengeschichte erzählen will.
Heimat 1 moechte ich einmal ganz sehen, deshalb schenken Verena und ich uns wohl die DVDs zu Weihnachten. Seltsam ist, dass vor allem seit den ersten Folgen von Heimat 1 eine unterschwellige Trauer und Sehnsucht in mir ist, die ich noch nicht greifen kann. Seit dem auch vor kurzem erst gesehenen Film Lilja4ever von Lukas Moodysson hat mich kein Film nachträglich so beschäftigt. Bei Lilja4ever war es schlicht ein Ekel vor Männern allgemein, denn ich mir bis dahin gar nicht vorstellen konnte.
4. Verena am 16. Dezember. 2004 um 15:09
Lilja4ever hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich mich gern ehrenamtlich gegen Frauenhandel engagieren würde. Doch ist es garnicht so leicht, etwas zu finden. Auf den entsprechenden Seiten sind meist nur Spendenadressen angegeben – doch lieber wäre es mir, 2mal die Woche ein paar Stunden tatkräftig mitzuhelfen, ohne den Großteil der vorhandenen Zeit für eine lange Anfahrt zu vergeuden.