Ralph G. Schulz tritt mit einem beherzten Text der begrifflichen Unschärfe von Webstandards und Barrierefreiheit entgegen und zeigt unter dem Titel Webstandards versus Barrierefreiheit wesentliche Unterschiede auf. Gegen Schluß schreibt er:
Der Sinn von Barrierefreiheit besteht eben nicht darin, Seiten zu bauen, die sich an der Zugänglichkeit für vermeintliche Randgruppen orientieren. Dies hieße, Barrierefreiheit auf einen behindertenpolitischen Teilaspekt zu reduzieren. Barrierefreiheit als Konzept orientiert sich an den Bedürfnissen ALLER denkbaren Benutzergruppen, bedeutet weitestmögliche Zugänglichkeit für alle Anwender, unabhängig von körperlichen oder sonstigen Einschränkungen.
Bleibt die Frage, ob bei gutem Willen immer “alle denkbaren Benutzergruppen” befriedigt werden können. Wer erweitert sein Budget für Gebärdenvideos? Möchte ein Fotograf hinter seinen Fotos aussagekräftige bildbeschreibende Texte schreiben? Wo sind die Grenzen der Tastaturbedienung? Will ich ein Weblog in “leichter Sprache” schreiben? Sind das Grenzen oder bin ich hier auf dem Weg der Ausrede?
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2 Kommentare
1. Jens Grochtdreis am 1. September. 2006 um 09:22
Nein, Du redest Dich nicht raus. Diese berechtigten Fragen zeigen nur, daß Barrierefreiheit ein Ideal ist und auch ein Prozess. Das Idal haben wir Deutschen uns durch diesen verunglückten Begriff selber gezimmert. “Zugänglichkeit” wäre besser.
Nichtsdestotrotz wirst Du immer für Zielgruppen arbeiten, ergo wirst Du mit “Leichter Sprache” so Deine Probleme haben. Zudem fällt es mir schwer eine Webseite – vor allem ein Blog wie Deines oder meines – in “leichter Sprache” zu verfassen und amit 99% der Leser vor den Kopf zu stoßen. Man sollte sich immer überlegen, wie weit man für extreme Minderheiten die große Mehrheit verprellt.
2. Ralph G. Schulz am 1. September. 2006 um 10:16
“Bleibt die Frage, ob bei gutem Willen immer “alle denkbaren Benutzergruppen” befriedigt werden können.”
Klar, solange man beachtet, daß Standards was anderes als Barrieren sind. Standards kann (muß) JEDER einhalten, und sie nützen ALLEN, sind also das Fundament für barrierefreie Seiten. Jede zusätzliche Maßnahme zum Abbau von Barrieren ist ein zusätzlicher Schritt in Richtung eines Idealzustandes, der vielleicht nicht (immer) erreicht werden kann, aber trotzdem (irgendwo) definiert sein sollte. Selbst wenn es derzeit nur ein unvollkommenes Werk wie die BITV ist.
“Wer erweitert sein Budget für Gebärdenvideos?”
Zum Beispiel jeder, der ein Informationsangebot mit öffentlichen Geldern aufbaut. Das wäre schon mal ein Anfang.
“Möchte ein Fotograf hinter seinen Fotos
aussagekräftige bildbeschreibende Texte schreiben?”
Er möchte ganz sicher. Ob er kann, ist eine andere Frage. Idealerweise sucht er sich einen Mitstreiter, der die Leidenschaft und Emotionalität der Bilder auch in Worte fassen kann ;o))
“Sind das Grenzen oder bin ich hier auf dem Weg der Ausrede?”
Es ist keine Ausrede, wenn Du versuchst, Dich einem Ideal so weit anzunähern, wie es Dir möglich ist.