Beiträge zum Thema "Tag-Cloud"
Vorschläge für eine optimierte Tag-Cloud
20.08.2009 um 0:06 | Kommentare: 1
Letztens fragte mich ein Kunde nach dem Sinn einer Tag-Cloud, dieser Anhäufung von großen und kleinen Schlagwörtern. Der Sinn besteht darin, Besuchern und Suchmaschinen ein weiteres Angebot der sinnvollen Strukturierung und Erschliessung von Inhalten zu machen. Vor allem im Hinblick auf Google habe ich gute Erfahrungen mit Tag-Clouds gemacht. Manche Schlagwort-Seiten sind im Google-Index weit vorne gelistet und erben nicht selten einen guten Pagerank. Mittlerweile empfehle ich ein individuelles Tagging für inhaltsstarke und um Aktualität bemühte Websites, die nicht als Blog konzipiert sind.
Eine optimierte Tag-Cloud setzt ein paar Gedanken zur “hohen Kunst der Verschlagwortung” voraus. Ziel des Taggings ist eine besucher- und suchmaschinenfreundliche Schlagwortwahl. Der Kern ist eine logische und inhaltlich relevante Auswahl der Stichworte.
Überlegungen zur Semantik und Themenrelevanz der Schlagworte stehen an erster Stelle. Unter welchen Schlagwörtern möchte ich gefunden werden? Biete ich ausreichenden Content unter diesen Schlagwörtern? Über welche Themen und Fachthemen werde ich also häufiger schreiben als zwei- bis dreimal und werde ich sie ausführlich genug behandeln?
Es geht um die Vermeidung von überbordenden Schlagwortwolken. Nicht-explizite Stichwörter fallen durch ihre Beliebigkeit und geringe Relevanz auf. Wenn mein Themenspektrum nur beiläufig und ein einziges Mal das Thema Musik anspricht, verzichte ich darauf, Musik als Schlagwort einzutragen. Das Stichwort Urlaub macht wenig Sinn, wenn ich in einer persönlichen Note auf meinen kommenden Urlaub hinweise. Download als Schlagwort ist so gut wie überflüssig, wenn ich nur ein PDF anbiete. Ich könnte dann auch PDF und Acrobat Reader als Schlagwörter anlegen.
Schlagwörter lassen sich schnell und viele anlegen, man findet immer welche, die passend erscheinen. Da hilft nur eines gegen: Spare Schlagwörter, wo es geht. Ein Beitrag sollte nicht mit mehr als drei bis fünf Begriffen getaggt werden, wenn überhaupt. Auch wenn ich weiter unten über das Aussehen von Schlagwortwolken im Layout schreibe, werde ich diesen Artikel nicht mit dem Begriff Webdesign taggen. ;)
Die Kunst ist es, die Waage zwischen allgemeinen und sehr spezifischen Begriffen zu halten. Bewerbe ich häufig Video-Anleitungen, so kann Video-Anleitung oder Screencast als Hauptschlagwort verwendet werden. Das zweite Schlagwort könnte der Name der Software sein, die in mehreren Videos erklärt wird. Ein drittes Schlagwort wiese auf eine spezielle Software-Thematik hin, die häufiger vorkäme.
Der letzte Absatz deutet es an: Eine Methode zu einer optimierten Tag-Cloud ist der wohlüberlegte Weg vom hohen zum niedrigen Abstraktionsniveau, vom Allgemeinen zum Konkreten. Beispiele: Film – Nouvelle Vague – Truffaut. Oder: Software – Photoshop – Ebenenmasken. Oder auch: Leben – Genuß – Rezepte. Desweiteren: Wissen – Natur – Garten – Kräuter.
Andere Beispiele widersetzen sich dem Weg vom Abstrakten zum Konkreten, wenn die Hauptthemen einer Website konkreter sind als die Unterthemen: Ruhrgebiet – Bochum – Kultur oder iPod Touch – Spiele oder: Bienen – Klimawandel.
Der Einsatz von Doppelungen füttert Suchmaschinen mit Alternativen: Wenn es zwei gleichwertige Begriffe im deutschen und englischen gibt, könnten beide als Schlagwort verwendet werden, falls sie im Sprachgebrauch eine ähnliche Verbreitung haben. Beispiele sind Video-Anleitung und Screencast, Programm und Application. Das gleiche gilt für Abkürzungen, deren Ausschreibung ebenso häufig wie die Abkürzung benutzt wird, z.B. CMS und Content Managment System.
Optimierte Tag-Clouds entstehen nicht von heute auf morgen. Ich lasse ihnen Zeit zum Wachsen. Es kommt vor, dass bestimmte Begriffe einsam vor sich hindümpeln, weil sie meine Themen nicht mehr treffen. Ich stelle dann die Beiträge kurzerhand unter einem passenderen Schlagwort oder unter ein bereits vorhandenes ab. Konzentration und Straffung einer Schlagwortwolke ist schlicht benutzerfreundlicher als ausufernde Beliebigkeit, die mehr Themen vortäuscht, als vorhanden sind.
Beitreiber kommerzieller Websites sollten sich bei der Verschlagwortung gut überlegen, ob und welche Marken- und Produktnamen sie als Schlagwort einsetzen wollen und sich rechtlich beraten lassen.
Tag-Clouds müssen nicht wie Fremdkörper im Layout aussehen. Oftmals bestaune ich in Sidebars einen wüsten Haufen Wörter, der jedes Layout verhässlicht. Damit die Schlagwortwolken zumindest nicht den Zeilenabstand zerschiessen, empfiehlt sich eine massvolle Wahl zwischen der kleinsten und größten Wortgröße. Kleinere Tag-Clouds könnten ohne die nie erreichte Wolkenanmutung als Liste angelegt werden, Wort für Wort untereinander. Ich bevorzuge, wenn es das Layout zuläßt, eine dezent auftretende, zentrierte Tag-Cloud im Footer. Das widerspricht zwar Usability-Tests, die festgestellt haben wollen, dass Tag-Clouds im oberen Bereich der Seite (links bitte ;-) am häufigsten wahrgenommen würden. Ich gehe aber davon aus, dass sie im Alltag häufig ignoriert und übersehen werden, gerade auch wegen des häufigen Auftretens auf zahlreichen Websites. Wer sich aber wirklich für die Schlagwortwolke interessiert, wird sie auch an weniger exponierter Stelle im Layout finden und studieren.
Bleibt zuguterletzt die Frage, mit welchen Schlagwörtern ich diesen Beitrag hier verlinken möchte. Einerseits wäre Tag-Cloud relevant, andererseits weiss ich nicht, ob ich über das Thema noch etwas schreiben werde. Aber ich kann es ja trotzdem vorläufig auf die Probe stellen. Und da das Thema Tag-Cloud im Kern als SEO-Thema durchgeht, wäre Suchmaschinenoptimierung auch keine schlechte Wahl. Meine Wahl nun: Tagging – Suchmaschinenoptimierung – Tag-Cloud. Gut so?
Weiterführende Links:
- Tagging, die andere Indexierung des Internets
- Sven Lennartz: Über das Tagging
- Bildersuche bei bing: tag cloud
- Die Schlagwortwolkensuchmaschine: hulbee
